"Der PC läuft auf Standardtakt, dafür ist mein Android-Tablet übertaktet. Man muss einfach mit der Zeit gehen." « that

In Your Face Friday - Raumordnung

karlstiefel 09.08.2013 4496 10
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Egal ob Designer-Möbel oder Billigvariante vom Schweden - ein Teil unserer Einrichtung ist seit geraumer Zeit auf Medien ausgelegt. Dem Bücherregal folgten Radios, Fernsehkabinette und Computertische. Wie sich Technologie auf unsere Innenausstattung auswirkt und was sich daran ändert, zeigt sich erst bei näherer Betrachtung.

Es ist schon eine Weile her, als die Wohnzimmer der Welt rein als Treffpunkt der Familie und ihrer Freunde fungierte. In den damaligen Wohnstuben fanden Bücher lediglich ihren Platz, falls keine Bibliothek vorhanden war - falls die Bewohner lesen konnten und wollten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts fand mit dem Grammophon die Musik ihren Weg in die Wohnzimmer, in den 30er Jahren wurden Radioempfänger zum Statussymbol. Beide waren oft in Holz-Optik gehalten, um ähnlich wie der Rest der Einrichtung zu wirken. In dieser Tradition standen dann auch die Fernseher der 50er Jahre. Als diese Medienmöbel ein fixer Bestandteil des Mobiliars wurden, änderte sich auch die Ausrichtung der Sitzgruppen, Sofas und Sessel. Man richtete die Möbel nach einem Medium aus. Radio und Fernseher wurden zum Mittelpunkt des sozialen Lebens in den eigenen vier Wänden. Dementsprechend gab es auch bald nicht nur Möbel rund um sondern für die Wiedergabegeräte. Fernsehkästen, in denen die damals noch klobigen Bildschirme weggesperrt werden konnten, Radios mit futuristischem Design und Lautsprecherboxen, die selbst als dekorative Möbel gelten konnten.

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Fernsehrschrank gegen Fernsehregal - finde den Unterschied.

Gleich und doch anders verlief es mit den Computern. Der große Unterschied: Digitale Medien bezeichnet man als lean-forward-Medien. Im Gegensatz zu TV und Radio kann man nicht wirklich einen Knopf drücken und die Berieselung startet - man muss das Gerät selbst bedienen. Entsprechend anders gestalteten sich auch die Computertische, welche aus Tradition dennoch oft in den Wohnzimmern positioniert wurden. Ein lean-forward-Medium für den Heimgebrauch war schließlich neu, die Benutzer mussten sich erst eine Benutzungskultur dafür erarbeiten. Das gilt auch für die Hersteller - lange waren PCs große, graue Kästen, die nur wenig dekorativ waren. Erst seit der Jahrtausendwende geht der Trend hin zu gut aussehenden Geräten. Aber auch die Kombination Designer-PC/Computertisch ist nicht mehr so beliebt wie vor einem Jahrzehnt. Schließlich sind Laptops bereits seit geraumer Zeit eine attraktive Alternative zum Stand-PC. Deren Mobilität war der erste Impuls weg vom “Platz für den Computer”. Der zweite ist die Popularität von Smartphones und Tablets. Statt den Bildschirm abstellen zu müssen wie bei den Laptops kann man das Gerät nun problemlos in der Hand halten. Ein Abstellen ist nur mit eigener Peripherie möglich. Ein ähnliches Schicksal erreichte ja schließlich auch den Plattenspieler, der wegen modernerer Alternativen mittlerweile zum Abspielgerät für Liebhaber verkommen ist. Mittlerweile ist es nicht nur schwieriger geworden, ein vernünftiges Plattendeck zu einem erschwinglichen Preis zu bekommen, auch die Möbel sind dafür immer weniger ausgelegt. Bluray-Player und Receiver-Boxen sind schließlich schön flach und müssen nicht geöffnet werden. Während der Platz für den Plattenspieler früher Standard war, muss man heute schon gezielt nach passenden Möbeln suchen. Haben wir bald also mehr Platz auf den Tischen und nur noch ein Dock für die mobilen Geräte? Verwenden bald nur noch Hipster Standrechner?



“Nein!”, schrie Apple und griff abermals in die Designer-Kiste. Heraus kam der neue Mac Pro, dessen Design je nach Einstellung zu dem Hersteller an eine Batterie oder an einen Mülleimer erinnert. Schon vor zehn Jahren konnte Apple mit den bunten iMacs begeistern. Seither hat sich viel getan und die Cases unserer PCs wurden schicker, glänzender und farbenfroher. Selbst, wenn in absehbarer Zukunft mobile Geräte und “möbelgebundene” Rechner eine ähnliche Rechenleistung haben, werden die PCs nicht aussterben. Für präzise Arbeit und entspanntes Gaming ist die durch die Standgeräte geschaffene Umgebung doch zu angenehm. Platz für die Maus, ein vernünftiges Keyboard und der große Monitor, dazu ein Bürosessel - das gesamte Setup bietet zu viele Vorteile, um zum Anachronismus zu verkommen. Nur weil es eine Alternative gibt, wird der “Klassiker” nicht aus der Welt des Möbeldesign verschwinden. Und sein wir uns mal ehrlich - die Kommandozentrale mit doppeltem Monitor lässt sich nur schwer durch ein Tablet ablösen. Sowohl für diese, als auch für Laptops gibt es Stationen, in denen man ein großes Setup imitieren lässt. Wirklich abgelöst hat das den Stand-PC aber noch lange nicht. Wenn Apple ein rundes Tablet veröffentlicht, schaut die Sache aber wieder anders aus …

Jetzt seit ihr gefragt - hat bei euch bereits ein mobiles Gerät den klassischen PC abgelöst? Dienen eure Computertische nur noch als Oberfläche zum Basteln an großen Rechnern?
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