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Videospiel-Verfilmungen by karlstiefel - 28th September 2012 16:35 [Qualitäts-Achterbahn] 2 3 4 » |
Zwei Medien treffen sich: Computerspiele und Filme. Während die meisten Spiele zu Kinofilmen eher mittelmäßig und deren Anzahl überschaubar ist, schlagen Spieleverfilmungen schon höhere Wellen. Dabei ist das gar nicht so einfach - immerhin muss ein solches Werk sowohl die Fans begeistern, als auch den normalen Kinogänger unterhalten. Dabei funktioniert nicht jedes Spiel auch als Film gut. Verschaffen wir uns einen Überblick in dem Genre, denn hier gibt es Trash, Meisterwerke und einen guten Einblick in die Denkweise zahlreicher Filmstudios.
Wenn ein Neuzugang die Medienlandschaft betritt, werden gerne die Konventionen vorhergegangener, ähnlicher Medien kopiert. Der Film zeigte in seiner Anfangszeit Varietéshows. Das Fernsehen übernahm die Nachrichten, die vor den Filmen liefen. Und Computerspiele zeigten sich - so wie es ihnen die Technologie ermöglichte - von einer sehr cineastischen Seite. Zwar gab es schon früh Spiele zu Filmen, diese erinnerten jedoch eher durch kleinere Details und dann auch nur mit viel Fantasie an die Vorlage. Erst als ambitionierte Studios Spiele mit ausgereifter Grafik entwickelten, wurde der “große Bruder” Film auch tatsächlich imitiert. Hier geht es aber nicht um Spiele-Grafik, sondern um die umgedrehte Wechselwirkung zwischen Filmen und Spielen. Denn wenn sich das neue Medium erst etabliert hat und von der Gesellschaft ernst genommen wird, kann es auch von anderen Medien adaptiert werden. Dann gibt es Bücher zu Serien, Theaterstücke zu Comicbüchern und - wir sind endlich bei unserem Thema angelangt - Filme zu Spielen.
Den Anfang macht wohl die bekannteste Spiele-Figur aller Zeiten: Super Mario. Der Klempner, Prinzessinnen-Retter, Kart-Fahrer und Maskottchen von Nintendo hatte bereits 1989 in der Super Mario Brothers Super Show den ersten Fernseh-Auftritt bei uns im Westen. In kurzen Sketchen wurde er von Lou Albano gespielt, die Rolle von Luigi übernahm Danny Wells. Diese bildeten den Rahmen für Comic-Serien rund um Super Mario und Link von The Legend of Zelda. Auf die große Leinwand schafften es die Brüder 1993 mit Super Mario Bros., in dem das Duo von Bob Hoskins (Duell - Enemy at the Gates, Hook) und John Leguizamo (Land of the Dead, Romeo und Julia) gespielt wurde. Mit einer seltsamen Mischung aus realer Welt und einem Pilz-Königreich, welches eher an Blade Runner erinnert, wurde die Umsetzung eher negativ von Fans und Kritikern aufgenommen. Das absurde Setting wurde so erklärt, dass der Meteorit, der die Dinosaurier ausgerottet hatte, diese in Wirklichkeit in ein Paralleluniversum katapultiert hatte, in dem sie sich zu humanoiden Wesen weiterentwickelten. Daisy, gespielt von Samantha Mathis (The Punisher, American Psycho) war das Bindeglied zwischen den entzweiten Welten. Dennis Hopper (Speed, Apocalypse Now) empfand die Entscheidung, den Bösewicht König Koopa zu spielen im Nachhinein als den größten Fehler seiner Karriere. Auch ein mechanischer Yoshi, der nicht süß und knuffig, sondern wie direkt aus Jurassic Park wirkte und satte 500.000 Dollar kostete, half da nichts mehr. Keiner der Regisseure - Annabel Jankel und Rocky Morton - wagte sich seit der gefloppten Spieleverfilmung mehr in den Regiestuhl.
So sahen die beiden Brüder-Paare als reale Menschen aus.
Wesentlich einfacher als das Pilz-Königreich zu erklären, ist eine ordentliche Schlägerei zu inszenieren. Musikvideo-Regisseur James Yukich traute sich daher an die Verfilmung des Prügel-Spieles Double Dragon (1994) und konnte dafür Mark Dacascos und Scott Wolf als Jimmy und Billy gewinnen. Dass nach diesen Namen keine Filme in Klammern stehen, ist ein guter Hinweis auf die weitere Karriere der Beiden. Koga Shuko, der Kontrahent der Brüder wurde ein wenig besser gecastet - Robert Patrick (Terminator 2, Walk the Line) übernahm die Rolle. Auch Alyssa Milano (Charmed, Public Enemies) hatte eine erfolgreichere Karriere vor sich. Leider konnte keiner der beiden den mäßigen Film retten - weniger als ein Sechstel der Produktionskosten konnten an den Kinokassen wieder eingespielt werden. Da halfen auch die Erlöse aus den VHS-Kassetten nichts mehr.
Genre-Kollege Street Fighter wurde gleich doppelt verfilmt - 1994 mit Jean-Claude Van Damme (als Guile) und 2009 mit Kristin Kreuk (als Chun-Li). Die Kämpferin war natürlich auch im ersten Teil vorhanden, gespielt von Ming-Na Wen (die der Disney-Figur Mulan die Stimme lieh). Bison wurde in seiner letzten Rolle von Raúl Juliá (Die Adams Family) dargestellt, in The Legend of Chun-Li übernahm Neal McDonough (Band of Brothers, Minority Report, Captain America) die Aufgabe des Bösewichtes. 1994 spielte auch Kylie Minogue (als Cammy White) mit, die Musiker-Quote wurde 2009 von Taboo (als Vega) von den Black Eyed Peas erfüllt. Star-Aufgebot hin oder her, keiner der beiden Filme war trotz eineinhalb Jahrzehnten Abstand sonderlich gut. Zu viele überstilisierte Versatzstücke wie die ikonischen Outfits oder unrealistischen Kampf-Bewegungen, sowie die gekünstelte Siegespose der Charaktere ließen die Filme einfach etwas unentschlossen wirken. Es war nicht klar, ob sie nun realistisch oder fantastisch wirken sollten. Mitte der 90er konnte man das noch als halbwegs charmantes Action-Trash-Kino abtun, was den relativen finanziellen Erfolg auch erklären würde. Zeitgemäße Kinogänger straften The Legend of Chun-Li massiv ab, nur etwa ein Fünftel der Produktionskosten wurde an den Kinokassen wieder erwirtschaftet. Schön absurd: Zu Street Fighter - The Movie gab es auch ein gleichnamiges Spiel - das Spiel zum Film zum Spiel also.
Es dürfte klar sein, warum Street Fighter nicht für die Story gespielt wird.Qualitäts-Achterbahn Da sich gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts die Prügel-Spiele sowohl gut verkauften als auch gut verfilmen ließen, wurde auch Mortal Kombat (1995) verfilmt. Im Gegensatz zu Street Fighter wurde hier zugunsten der Action nur wenig Wert auf Realismus gesetzt. Robin Shou spielte Liu Kang - eine Rolle, die ihm zahlreiche Nebenrollen in Filmen wie The Legend of Chun-Li und Dead or Alive einbrachte. Für Resident Evil war er der Trainer von Milla Jovovich. Christoper Lambert (Highlander) spielte den Donnergott Raiden. Im Regiestuhl saß erst zum zweiten Mal Paul Anderson, der später Event Horizon, sämtliche Resident Evil-Verfilmungen, Dead or Alive und Die drei Musketiere verfilmen sollte. Was er mit seiner ersten Spieleverfilmung lostreten sollte, wusste er aber wohl selber nicht. Es folgten ein zweiter Film, eine Fernsehserie, zwei Comicserien, ein vielversprechender Trailer für einen Reboot und eine daraus resultierende und durchaus hochqualitative YouTube-Serie. Dazu kamen sechs Spiele nach dem Erscheinen des Filmes - zusätzlich zu den drei damals bereits existierenden.
Die YouTube-Serie schaut im Vergleich zu dem Film aus den 90ern richtig gut aus.
Ins Weltall ging es 1999 mit Wing Commander. Freddie Prinze Jr. zog als Pilot Christopher Blair in den interstellaren Krieg gegen die katzenartigen Kilrathi. Regisseur Chris Roberts war als Designer maßgeblich an der Wing Commander Serie beteiligt. Nach seinem Erstlingswerk bemerkte er aber, dass er für Regie kein Talent hat und als Produzent besser fungiert. In dieser Rolle hat er bei The Punisher, Lord of War und Lucky Number Slevin mitgewirkt. Das hat auch einen guten Grund - wurde der Film doch richtiggehend von den Kritikern zerrissen. Besonders das zu den Spielen unterschiedliche Aussehen der Kilrathi missfiel den Fans. Das rächte sich, sowohl finanziell als auch bei dem Ruf der Spiele-Serie.
2001 wurden gleich zwei sehr unterschiedliche Spiele verfilmt. Während aus Japan Final Fantasy: The Spirits Within kam - waren die Render-Szenen in den Hautpspielen selbst doch stets ein Highlight - erhielt auch die bekannteste Frau der Spielegeschichte den ersten Blockbuster spendiert. Lara Croft: Tomb Raider hieß das Action-Spektakel mit Angelina Jolie als schießwütige Archäologin. Während sie sowohl bei ihrem Debüt auf der Leinwand als auch zwei Jahre später mit der Fortsetzung Lara Croft Tomb Raider: Die Wiege des Lebens erwartungsgemäß Erfolg hatte, war dieser nur bedingt verdient. So wurde die Geschichte der Serie nicht wirklich weiter erzählt - vielleicht auch gut so, wenn man sich den weiteren Geschichtsverlauf von Tomb Raider so ansieht. Bemerkenswert war der spätere James Bond Daniel Craig als Gegenspieler im ersten Teil. Weniger erfolgreich war eine weniger realistischere Hauptdarstellerin: Aki Ross. Diese digitale Schönheit mit der Stimme von Ming-Na Wen (wir erinnern uns an Street Fighter) wurde von Square Pictures erschaffen, um die erste virtuelle Schauspielerin zu sein. Ein Computermodell in verschiedenen Filmen. So komplex und realistisch, dass für die Darstellung ihrer Haare ein eigenes Programm geschrieben wurde. Um ein Bild von ihr zu rendern, brauchte die komplette Serverfarm des Unternehmens über eine Stunde. Dementsprechend teuer war auch der Animationsfilm, welcher mit 137 Millionen Dollar das Budget jedes damaligen Computerspieles sprengte. Angenommen wurde die für Final Fantasy typisch neue Geschichte nicht wirklich - weniger als 90 Millionen Dollar kamen wieder in die Kassen der Produzenten zurück. Dabei war Hironobu Sakaguchi maßgeblich an der “Regie” beteiligt - war und ist er doch ein bedeutender Name für die Final Fantasy Serie, sowie Designer von Chrono Trigger. Squaresoft kam auf diesen Flop hin in finanzielle Schwierigkeiten, was eine Fusion mit dem Studio Enix zu dem Entwickler- und Publisher-Riesen Square Enix mit sich brachte.
Zwei Damen: Eine ist real, die Andere nicht.
Wie bereits erwähnt, erhielt auch Resident Evil (2002) eine Verfilmung mit Milla Jovovich als Zombiejägerin Alice. Bei drei der ab September 2012 fünf Filme hatte Paul Anderson die Finger im Spiel. In Resident Evil: Apocalypse (2004) führte Alexander Witt Regie, bei Resident Evil: Extinction (2007) war es Russel Mulachy (Highlander). Mehr Filme hat bisher noch keine Spieleserie spendiert bekommen. Bisher hat jeder Teil sein Budget etwa verdreifacht - Anderson und seine Frau Milla sitzen also auf einer Goldmine. Obwohl die Horror/Survival-Reihe noch nie eine wirklich schlag- und stichfeste Story hatte, wurden bei den Filmen einfach nach Belieben der Drehbuchautoren neue Geschichten dazuerfunden. Kritiker und hartgesottene Fans werfen Anderson vor, er bediene sich der Versatzstücke von Resident Evil, ohne den wirklichen Kern der Serie zu erfassen. Zusätzlich zu den “Live-Action” Filmen gibt es zwei CGI-Filme: Resident Evil: Degeneration (2008) und Resident Evil: Damnation (2012), welche beide den Spiele-Charakter Leon S. Kennedy als Protagonisten haben und sich eher an die Spiele halten.
Ob Ego-Shooter oder Survival-Horror - als Film ähneln sich die Genres mehr als den Fans oft lieb ist.
Zu Beginn dieses Artikels wurde beschrieben, wie junge Medien von ihren Vorgängern kopieren. Ein sehr wichtiger Aspekt hierbei ist immer der Blickwinkel. Theaterbühnen lassen uns traditionell in einem fixen Winkel auf das Geschehen schauen, während in Film und Fernsehen durch die Mechanisierung der Beobachtung mithilfe der Kamera diese Begrenzung aufgehoben wird. Mindestens genau so ikonisch ist der Blickwinkel bei Ego-Shootern. Aus der Ich-Perspektive mit der Waffe im Anschlag läuft man durch Level und liefert sich Feuergefechte. Das zielt auf eine maximale Vereinnahmung des Spielers - er selbst wird zum Hauptcharakter, die Spiele-Welt interagiert direkt mit ihm, statt mit einer komplett sehbaren Spielefigur. Diese an den Monitoren bekannte Sichtweise kam - wenn auch nur kurz - in Doom (2005) vor. Die Geschichte ist so dünn wie in den Spielen: In einem Forschungslabor auf dem Mars wird ein 24. Chromosom entdeckt, welches das Potenzial des menschlichen Organismus entfesseln soll. Natürlich ist das Resultat der Experimente nicht der ersehnte Super-Soldat, sondern ein Haufen Monster. Es wird eine Elite-Einheit mit Karl Urban als John “Reaper” Grimm und Dwayne “The Rock” Johnson als Sarge dort hingeschickt, um die Situation zu entschärfen. Das passiert natürlich nicht, es wird nur schlimmer. Gegen Ende sieht man wie aus den Spielen bekannt den Gang durch die engen Korridore der Forschungsstation in der Ego-Perspektive. Ein Trend, der nicht wirklich Fuß fassen konnte - dennoch ein halbwegs gelungenes Experiment. | |
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