Zwei Medien treffen sich:
Computerspiele und Filme. Während die meisten Spiele zu Kinofilmen eher mittelmäßig und deren Anzahl überschaubar ist, schlagen Spieleverfilmungen schon höhere Wellen. Dabei ist das gar nicht so einfach - immerhin muss ein solches Werk sowohl die Fans begeistern, als auch den normalen Kinogänger unterhalten. Dabei funktioniert nicht jedes Spiel auch als Film gut. Verschaffen wir uns einen Überblick in dem Genre, denn hier gibt es Trash, Meisterwerke und einen guten Einblick in die Denkweise zahlreicher Filmstudios.
Wenn ein Neuzugang die Medienlandschaft betritt, werden gerne die Konventionen vorhergegangener, ähnlicher Medien kopiert. Der Film zeigte in seiner Anfangszeit Varietéshows. Das Fernsehen übernahm die Nachrichten, die vor den Filmen liefen. Und Computerspiele zeigten sich - so wie es ihnen die Technologie ermöglichte - von einer sehr cineastischen Seite. Zwar gab es schon früh Spiele zu Filmen, diese erinnerten jedoch eher durch kleinere Details und dann auch nur mit viel Fantasie an die Vorlage. Erst als ambitionierte Studios Spiele mit ausgereifter Grafik entwickelten, wurde der “große Bruder” Film auch tatsächlich imitiert.
Hier geht es aber nicht um Spiele-Grafik, sondern um die umgedrehte Wechselwirkung zwischen Filmen und Spielen. Denn wenn sich das neue Medium erst etabliert hat und von der Gesellschaft ernst genommen wird, kann es auch von anderen Medien adaptiert werden. Dann gibt es Bücher zu Serien, Theaterstücke zu Comicbüchern und - wir sind endlich bei unserem Thema angelangt - Filme zu Spielen.
Den Anfang macht wohl die bekannteste Spiele-Figur aller Zeiten:
Super Mario. Der Klempner, Prinzessinnen-Retter, Kart-Fahrer und Maskottchen von Nintendo hatte bereits 1989 in der
Super Mario Brothers Super Show den ersten Fernseh-Auftritt bei uns im Westen. In kurzen Sketchen wurde er von Lou Albano gespielt, die Rolle von Luigi übernahm Danny Wells. Diese bildeten den Rahmen für Comic-Serien rund um Super Mario und Link von
The Legend of Zelda. Auf die große Leinwand schafften es die Brüder 1993 mit
Super Mario Bros., in dem das Duo von Bob Hoskins (
Duell - Enemy at the Gates, Hook) und John Leguizamo (
Land of the Dead, Romeo und Julia) gespielt wurde. Mit einer seltsamen Mischung aus realer Welt und einem Pilz-Königreich, welches eher an
Blade Runner erinnert, wurde die Umsetzung eher negativ von Fans und Kritikern aufgenommen. Das absurde Setting wurde so erklärt, dass der Meteorit, der die Dinosaurier ausgerottet hatte, diese in Wirklichkeit in ein Paralleluniversum katapultiert hatte, in dem sie sich zu humanoiden Wesen weiterentwickelten. Daisy, gespielt von Samantha Mathis (
The Punisher, American Psycho) war das Bindeglied zwischen den entzweiten Welten. Dennis Hopper (
Speed, Apocalypse Now) empfand die Entscheidung, den Bösewicht König Koopa zu spielen im Nachhinein als den größten Fehler seiner Karriere. Auch ein mechanischer Yoshi, der nicht süß und knuffig, sondern wie direkt aus
Jurassic Park wirkte und satte 500.000 Dollar kostete, half da nichts mehr. Keiner der Regisseure - Annabel Jankel und Rocky Morton - wagte sich seit der gefloppten Spieleverfilmung mehr in den Regiestuhl.
So sahen die beiden Brüder-Paare als reale Menschen aus.Wesentlich einfacher als das Pilz-Königreich zu erklären, ist eine ordentliche Schlägerei zu inszenieren. Musikvideo-Regisseur James Yukich traute sich daher an die Verfilmung des Prügel-Spieles
Double Dragon (1994) und konnte dafür Mark Dacascos und Scott Wolf als Jimmy und Billy gewinnen. Dass nach diesen Namen keine Filme in Klammern stehen, ist ein guter Hinweis auf die weitere Karriere der Beiden. Koga Shuko, der Kontrahent der Brüder wurde ein wenig besser gecastet - Robert Patrick (
Terminator 2, Walk the Line) übernahm die Rolle. Auch Alyssa Milano (
Charmed, Public Enemies) hatte eine erfolgreichere Karriere vor sich. Leider konnte keiner der beiden den mäßigen Film retten - weniger als ein Sechstel der Produktionskosten konnten an den Kinokassen wieder eingespielt werden. Da halfen auch die Erlöse aus den VHS-Kassetten nichts mehr.
Genre-Kollege
Street Fighter wurde gleich doppelt verfilmt - 1994 mit Jean-Claude Van Damme (als Guile) und 2009 mit Kristin Kreuk (als Chun-Li). Die Kämpferin war natürlich auch im ersten Teil vorhanden, gespielt von Ming-Na Wen (die der Disney-Figur
Mulan die Stimme lieh). Bison wurde in seiner letzten Rolle von Raúl Juliá (
Die Adams Family) dargestellt, in
The Legend of Chun-Li übernahm Neal McDonough (
Band of Brothers, Minority Report, Captain America) die Aufgabe des Bösewichtes. 1994 spielte auch Kylie Minogue (als Cammy White) mit, die Musiker-Quote wurde 2009 von Taboo (als Vega) von den Black Eyed Peas erfüllt. Star-Aufgebot hin oder her, keiner der beiden Filme war trotz eineinhalb Jahrzehnten Abstand sonderlich gut. Zu viele überstilisierte Versatzstücke wie die ikonischen Outfits oder unrealistischen Kampf-Bewegungen, sowie die gekünstelte Siegespose der Charaktere ließen die Filme einfach etwas unentschlossen wirken. Es war nicht klar, ob sie nun realistisch oder fantastisch wirken sollten. Mitte der 90er konnte man das noch als halbwegs charmantes Action-Trash-Kino abtun, was den relativen finanziellen Erfolg auch erklären würde. Zeitgemäße Kinogänger straften
The Legend of Chun-Li massiv ab, nur etwa ein Fünftel der Produktionskosten wurde an den Kinokassen wieder erwirtschaftet. Schön absurd: Zu
Street Fighter - The Movie gab es auch ein gleichnamiges Spiel - das Spiel zum Film zum Spiel also.
Es dürfte klar sein, warum Street Fighter nicht für die Story gespielt wird. [4 more pages]