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In Your Face Friday - Facebook ohne Facebook

karlstiefel 15.06.2012 21080 35
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Facebook ist mittlerweile ein essenzieller Bestandteil des sozialen und digitalen Lebens von mehreren Millionen Menschen. Aber Friendster, MySpace und StudiVZ haben uns etwas gelehrt: Soziale Medien bleiben nicht für immer erhalten. Trends kommen und gehen und mit sinkender Benutzer-Zahl sinkt auch der Wert des Unternehmens. Mark Zuckerberg und Konsorten wissen das und bereiten sich schon heute auf eine Zukunft ohne Facebook vor. Wie diese aussieht, lest ihr hier.

Zu seinen besten Zeiten hatte MySpace über 100 Millionen individuelle Zugriffe pro Monat. Das war 2006, keine vier Jahre später war es um ein Viertel weniger, heute ist es gerade noch 20 Millionen pro Monat. Konkurrent Facebook hingegen ist bei doppelt so vielen Zugriffen angelangt, wie das vernachlässigte Netzwerk MySpace zu Spitzen-Zeiten hatte. Mittlerweile hat Justin Timberlake die einst so erfolgreiche Plattform gekauft und trimmt sie weiter in Richtung “Musik mit Freunden”. Auch die heimische alternative StudiVZ konnte sich nicht gegen den Riesen Facebook wehren und verliert immer mehr Nutzer - nämlich 80% in etwa einem Jahr. Zukünftig wird SchülerVZ in Idpool umbenannt und auf "Lernplattform" getrimmt werden. Was mit den "großen Brüdern" StudiVZ und MeinVZ passieren soll, ist noch unklar. Friendster hat überhaupt aufgegeben und sieht sich nun eher als Spiele- und Unterhaltungs-Seite mit sozialem Aspekt. Kurzum: Facebook hat gewonnen. Für jetzt. Denn Mark Zuckerberg weiß genau, dass soziale Netzwerke stark Trends unterliegen und diese ohne große Vorankündigungen kommen und gehen.

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Bezüglich der monatlichen Zugriffe ist bei den VZ-Netzwerken nicht erst seit 2011 ein deutlicher Abwärts-Trend zu erkennen.


Was macht man also mit 9 Millionen Nutzern wenn man nicht weiß, ob diese morgen auch noch registriert sind? Man kauft ein. Die Spiele-Firma Zynga (welche 12% des Profits von Facebook ausmacht) ist bis 2015 mit einer strategischen Kooperation vertraglich an die Seite gebunden. Instagram mitsamt der 30 Millionen Benutzer wurde für die stolze Summe von 1 Milliarde Dollar gekauft - das sind über 30 Dollar pro Nutzer! Aber um die geht es hier nicht wirklich, zumal die meisten ohnehin schon auf Facebook registriert sind. Es geht um den Mehrwert, den die Verbindung zu dem Fotografie-Programm generiert. Für die Benutzer sollen Gründe geschaffen werden, registriert zu bleiben. Ihr wollt kostenlose Spiele? Facebook. Fotos vom Smartphone aus teilen? Facebook. Musik über Spotify hören? Facebook, Facebook, Facebook!

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Da freuen sich die beiden Marks (Zuckerberg und Pincus, Zynga-Gründer) aber.


Wenn Individuen einen Grund haben, bei dem blauen Riesen zu bleiben, erzeugen sie durch ihre bloße Anwesenheit wiederum Inhalte. Das zieht deren Freunde an, ein Synergie-Effekt entsteht. Da das Angebot breit gefächert ist, wird Raum für ein trendorientiertes Verhalten geschaffen. Wenn man genug gespielt hat, schaut man sich halt Fotos an - dennoch bleibt man auf der Seite. Die eigentlichen Features von Facebook rücken somit in den Hintergrund und dienen eher als Rahmen für andere Tätigkeiten.
Ein solches Nutzerverhalten in Geld umzuwandeln ist hingegen eher schwer. Dieses wird nämlich größtenteils durch Werbung gewonnen. Da hier eine bis ins kleinste Detail personalisierte Reklame möglich ist, stellt Facebook eine interessante Plattform für Werbende dar. Diese Werbeeinnahmen machten den größten Teil der Milliarde Dollar aus, die 2011 von Facebook erwirtschaftet wurde. Doch diese Zahl sinkt, während die Benutzerzahlen steigen. Besonders auf dem mobilen Markt ist dies ein deutlicher Trend. Facebook auf dem Smartphone wird immer beliebter, doch hat noch niemand die goldene Formel für Werbung auf dem Mini-Bildschirm gefunden. Somit muss wieder auf den Synergie-Effekt gesetzt werden. Ob diese Werbung wirkt, ist auch fraglich - laut Umfragen haben vier von fünf Benutzern noch nie ein Produkt aufgrund einer Werbung oder eines Kommentars gekauft.

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In Your Facebook Friday!


Das sichert die Zukunft einfach nicht ab - deswegen wurde der Börsengang versucht. Dieses “Initial Public Offering” - oder kurz “IPO” - ging nach hinten los. Der Hype um Facebook sprang auf den Organisator Bloomberg über, welcher kurz vor dem Start an den internationalen Börsen sowohl die angebotene Stückzahl als auch den Preis pro Aktie erhöhte. Das Resultat ist katastrophal: In der ersten Woche sank der Wert pro Aktie von 38 Dollar auf 33 Dollar. Mark Zuckerberg verlor auf diese Weise während er auf Flitterwochen in Italien war 4,7 Milliarden Dollar. Wahrscheinlich gab er deshalb kein Trinkgeld. Enttäuschte Anleger wollen nun gegen Bloomberg klagen.
Vielleicht sollte sich Facebook eine neue Strategie einfallen lassen, um in einem Jahrzehnt noch relevant zu sein.

Gewinnfrage:
Wie oft kommt das Wort “Facebook” in diesem IYFF vor? Die Überschrift zählt nicht.
Dem Gewinner wird die folgende Ausgabe gewidmet. Facebook.
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