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In Your Face Friday - Fortsetzung folgt leider

karlstiefel 10.02.2012 35741 19
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Hey, mein Lieblings-Film/Spiel wurde fortgesetzt! Natürlich wird der neue Teil dieser epischen Saga vorbestellt. Von Tag eins an wird geschaut/gezockt und der neue Teil ist … absolut grauenhaft. Denn es ist nicht einfach, Serien auch immer gut fortzusetzen. Da gibt es Fans, die befriedigt werden wollen, neue Märkte, die man mit diesem Teil erschließen könnte und die Investoren erwarten einen entsprechenden Erfolg. Da wird eine Fortsetzung auch mal schnell wirklich, wirklich schlecht.


Ach BioWare, wenn du nicht gerade versuchst, deinen Namen auf andere Studios zu drücken, dann machst du hier und da auch mal ganz gute Spiele. Dragon Age zum Beispiel! Den ersten Teil davon habe ich mit Begeisterung gespielt, das Addon gekauft und noch mehr gespielt. Vor einem Jahr kam dann Dragon Age 2 auf den Markt. Zu dieser Zeit saß ich gerade in einer Redaktion eines Spiele-Magazins als Praktikant und durfte die Review-Version des Action-RPGs mit großen Augen betrachten. Jegliche Erwartung, die ich in den Titel hatte, wurde absolut vernichtet und zerstört. Lahme Grafik, leere Städte, ödes Gameplay und eine vernachlässigbare Story machten die Fortsetzung zur Schnarchnummer. Aber was war schief gelaufen?

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Dragon Fail? Fail Age? Auf jeden Fall war der zweite Teil wirklich nicht besonders gut.


Die Erklärung ist einfach: Wir haben hier ein Paradebeispiel von „die Schöpfer haben nichts mehr damit zu tun“. Denn die Entwickler des erfolgreichen ersten Teils wurden allesamt an andere Projekte abberufen. Was blieb, waren die Leute aus der zweiten Reihe, die unbedingt dieses und jenes Feature im zweiten Teil sehen wollten. Somit wurde die Erfolgsformel aus Teil eins komplett verworfen und durch zusammenhanglose Versatzstücke ersetzt. Dagegen ist ja noch nichts einzuwenden, Innovation sollte nicht gebremst werden. Problematisch wird es jedoch, wenn hinter der Fortsetzung kein Konzept steht. Ohne dieses fühlen sich nämlich Spiele so wie Filme und sogar Bücher einfach nicht richtig an. Ein gutes Medium nimmt den Konsumenten an der Hand und macht mit ihm eine Reise. Dragon Age 2 hat sich eindeutig nach den ersten zehn Metern verfahren.

Während der erste Teil besonders auf dem PC ein Erfolg war, musste Teil zwei auch auf den Konsolen laufen. Das ging auf Kosten der Komplexität, die sich die Fans erwartet hatten. Dafür stiegen die Verkaufszahlen – schließlich wurde der Titel auf drei Plattformen gleichzeitig veröffentlicht. Hier, um von dem zugegebenermaßen nicht ganz aktuellen Beispiel weg zu kommen, tritt die Inkompetenz-Regel in Kraft. Die ist eigentlich auf die Beförderung von Arbeitnehmern bezogen: Ein Mitarbeiter wird befördert, wenn er gute Arbeit leistet. Das heißt wiederum, dass er befördert wird, bis er keine gute Arbeit mehr leisten kann, weil er überfordert ist. Jeder Angestellte wird also so lange befördert, bis er seine Arbeit schlecht macht. Ist es vielleicht auch mit Fortsetzungen so? Serien werden so lange fortgesetzt, bis sie wirklich schlecht werden?

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So ähnlich geht es laut der Inkompetenz-Regel irgendwann jedem!


Neulich wurden erst Prequels des Watchmen-Comics angekündigt, in dem die Entstehungsgeschichte mehrerer Helden erzählt werden soll. Während das für Fans toll ist, hält der Autor des Originals Alan Moore nichts von der Idee. „Soweit ich weiß, gab es keine Sequels oder Prequels für Moby Dick.“, kommentierte er das Vorhaben des Verlages. Irgendwo hat er ja recht mit der leichten Angst, die man aus der Wortspende herauslesen kann. Angst, dass andere sein Meisterwerk ruinieren. Dass, wie bei den neuen Star Wars Teilen, die Fans des Originals enttäuscht werden. Nichts fortsetzen ist natürlich auch keine Lösung, zumal es auch grandiose zweite Teile gibt. Aber eines sollte jede Fortsetzung haben: Bedacht. Die Schöpfer sollten sich ein Konzept für die gesamte Serie überlegen – eine Reiseroute. Jeder Teil kann so eine Etappe sein. Wenn man weiß, wo man hinfährt, knallt man auch nicht so schnell gegen einen Baum.

Wenn es jetzt nur bei dem entsprechenden Medium bleiben würde, wäre es ja stellenweise nur halb so schlimm. Aber Serien werden gerne in alle erdenklichen Richtungen ausgebaut. Film zum Buch, Comic zum Spiel, Buch zum Spiel, Facebook Spiel zum Spiel - die Anzahl der potentiell katastrophalen Kombinationen ist hier beunruhigend hoch. Natürlich kann es auch gut gehen. Schließlich verdanken wir eine Menge genialer Filme den mutigen Regisseuren, die sich gegen Fans der Vorlage durchgesetzt haben. Nicht jeder, der Herr der Ringe schon in den Achtzigern gelesen hat, mochte auch die Filme. Das ist immer ein Pokerspiel mit Erwartungen. Eher peinlich ist aktuell der Fall von den Mass Effect Büchern um auf BioWare zurück zu kommen. Einige Taschenbücher, die in dem Space-Opera Universum spielen, wurden von Fans stark kritisiert. Grund dafür waren Textpassagen, die sich schlicht und einfach nicht an die Vorlage (die Spiele) gehalten hat. In einem der Bücher wird einem Kroganer (eine Alien-Rasse) die Wirbelsäule durch einen Stich in das Genick durchtrennt. Dummerweise haben Kroganer laut offizieller Stelle keine Wirbelsäule wie Menschen und ihr Genick ist von einer dicken Knochenplatte geschützt. Das ist nur einer der zahlreichen Fehler - die Autoren haben anscheinend ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Diese Ausdehnung des Mass Effect Universums hat eher Schaden angerichtet: wütende Nerds, enttäuschte Leser und schlechte Kritiken. Hier ist BioWare nicht nur gegen einen Baum gefahren - sie haben ihren Sportwagen gegen ein Moped getauscht, den Auspuff abgesägt und sind mit einer beneidenswerten Zielgenauigkeit gegen ein Polizeiauto und anschließend gegen einen Baum gekracht. Und das muss man erst Mal schaffen ...

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Watchmen Babies von Gunshow Comic
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