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In Your Face Friday - Schall und Trend

karlstiefel 14.11.2014 11508 11
Immer wieder hat es in der Welt der Musikwiedergabe regelrechte Revolutionen gegeben. Tragbare Abspielgeräte waren eine davon. Nach der Kassette kam die CD, der die MiniDisc folgen sollte - dem war aber nicht so. Schauen wir zurück und tauchen wir in die aufregende Zeit rund um die Jahrtausendwende ein. Damals war nämlich ein regelrechter Formatkrieg am aufbrodeln. Einer, den die MiniDisc verlieren sollte.

Musik hat bei mir schon immer einen hohen Stellenwert eingenommen. Lieder, Alben und Bands haben mich stets durch die Phasen meines Lebens begleitet. Dementsprechend gut habe ich es, in unserem Zeitalter zu leben. Früher - also richtig früher, vor Radio und Schallplatten - haben Musik-Enthusiasten ihr Lieblingslied vielleicht zwei Mal im Leben gehört. Ich hingegen habe eine Zeit lang zwei mal pro Tag das Unplugged-Album von Nirvana gehört. Das wäre ohne Speichermedien nicht möglich. Viele von uns sind mit Audio-Kassetten aufgewachsen und wissen noch, wie notwendig ein Kugelschreiber/Bleistift für die Wiedergabe dieses Mediums sind. Dann kamen CDs und mit ihnen der Segen des "Repeat"-Knopfes. Zur Jahrtausendwende suchte ich dann nach dem nächsten großen Ding in Sachen Abspielgeräte. Die Voraussetzungen waren klar: Es muss kleiner sein als mein CD-Player, es muss mehr Musik darauf passen und Bewegungen dürfen das Abspielen nicht stören. 2002 fand ich, was ich gesucht hatte: einen MiniDisc-Player. Zumindest glaubte ich, dass ich hier meine neue Liebe gefunden habe. Viele der Vorteile, die eine CD zu bieten hatte, suchte man bei der MD nämlich vergebens. Während man fertig bespielte CDs - und teilweise sogar noch Kassetten - in Geschäften kaufen konnte, suchte man die MiniDisc-Abteilung vergebens. Es blieb also beim Kauf von CDs, welche dann auf die ach so praktischen MDs überspielt wurden. Für knapp zwei Jahre waren die auf bunte Discs gespielten Alben meine Wegbegleiter die ihren Auftritt stets am Weg zwischen meiner Schule und dem Bahnhof hatten. Statt Batterien hatte der Player einen Akku, am Kopfhörerkabel war ein Bedienelement mit Display und mit den extra dazugekauften Jogging-Kopfhörern hatte ich außerdem einen spitzen Sound. Natürlich wirkt das im Nachhinein etwas altbacken: Heute haben die meisten Geräte den gleichen Mini-USB-Port über den sie geladen werden, eine vernünftige Benutzeroberfläche ersetzt das zweite Steuerelement und mit In-Ear-Kopfhörern klingt die Musik gleich nochmal so gut. Bis ich meine damaligen Standards als überholt abstempeln konnte, vergingen aber noch ein paar Jahre. Den Anfang vom Ende hat ein Kauf vor 10 Jahren gemacht: Ich habe mir einen MP3-Player zugelegt.

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MP3-Player haben für mich schnell den MiniDisc-Player abgelöst.

Alles änderte sich. Der digitale Musikgenuss war die ich tatsächlich gesucht hatte. Plötzlich konnte ich mehrere Alben in einem kleinen Gerät speichern, das Wechseln von Datenträgern war ein Ding der Vergangenheit. Das Gerät - ein Thomson Lyra - konnte 1,5 GigaByte an Musik fassen. Das war nicht umwerfend viel, ein gutes Dutzend an CDs in mäßiger Klangqualität haben rauf gepasst. Den wirklichen Quantensprung habe ich nur ein Jahr später dank einem Geburtstagsgeschenk erlebt: Meine Eltern haben mir einen iPod (5. Generation) aus den USA mitgebracht. Plötzlich wurden Türen geöffnet, von deren Existenz ich zuvor noch nicht wusste: Podcasts, Videos (Lord of the Weed war stets dabei) und unglaubliche 30 GB Speicherplatz waren als ob meine Gebete von den Musikgöttern erhört worden wären. Ich hatte nicht mehr ein gutes Dutzend meiner Alben sondern meine gesamte Musiksammlung bei mir. Eine technische Leistung, gegen die ein MiniDisc-Player alt aussah. Das Ding war zu dem Zeitpunkt bereits im Keller verstaut. Heute könnte sich der iPod gut dazu gesellen - schließlich höre ich Musik nur noch über Streaming-Dienste am Handy. Den Thompson habe ich an einen Freund verkauft.
Seit 2004 gibt es einen Nachfolger der MD, die Hi-MD, was auch nichts mehr gebracht hat: Seit 2011 stellt Sony keine Abspielgeräte mehr her, seit 2013 ist die Produktion sämtlicher MiniDisc-Varianten eingestellt worden. Die Art, wie ich über die Jahre Musik konsumiert habe, hat sich geändert. Die MiniDisc nimmt dabei einen besonderen Stellenwert ein: Sie war zwar nur ein Datenträger von vielen, jedoch hat sie bei mir ein gewisses Gefühl verursacht. Es war eine Euphorie, eine Vorfreude, ein Wissen, dass Fortschritt passiert. Für die Markteinführung von Kassetten und CDs war ich zu jung, die MDs hatten jedoch das perfekte Timing. Natürlich habe ich mich an den Komfort der voll digitalisierten Musikwiedergabe gewöhnt und würde nicht mehr tauschen wollen. Aber wenn es keine MP3s, keine iPods und keine Spotifys gäbe, wäre für mich die Benutzung von MiniDiscs noch immer eine Freude. Mit ihnen verbinde ich nämlich einen Fortschrittsgedanken, den ich zwar wiederholt erlebt habe - den ersten Eindruck von einem solchen Gefühl gibt es jedoch nur ein Mal. Lasst es mich mit einer Zeile aus dem Alexisonfire-Song Rough Hands sagen: I'm not saying that she was my last, I'm just saying that she could have been.

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Herzlichen Dank für die vielen Stunden Musik. Und JA, das ist Nickelback - die waren damals noch cool.

Das ist meine Geschichte, die ich mit den MiniDiscs erleben durfte. Teilt eure Erinnerungen in den Comments!
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