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Corona und die Finanzkrise

XXL 05.05.2020 - 23:01 1430 16
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XXL

insomnia
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Weil es ja im anderen Thread schon öfter vorgekommen ist und ich glaube auch einen eigenen Thread verdient hat ...

Mal vorweg wieso es mich gerade hier in einem "IT-Forum voller Geeks" interessiert ist halt das hier glaub ich eine gute Durchmischung vorhanden ist die ich in meinen sozialen Netzwerken nicht habe, hier gibt es halt echt einen Querschnitt der sowas erst interessant macht ...

Erstmal als Grundlage ein Artikel der das Thema noch recht konservativ angeht:


Ich mein man könnte sagen das aktuelle neoliberale Modell ist perfekt und noch mehr privatisieren ist besser und die Verteilung passt so wie sie ist, aber ich glaub selbst hier im Forum gibt es keine User die ihr Geld rein aus vorhandenem Kapital ohne viel Arbeit beziehen, dann hat man aber wahrscheinlich auch keine Probleme mit der Krise ...

Die Frage ist wer jetzt dann die Kosten auffangen soll die die Krise im Moment aufreisst, 2008 war ja der Staat brav da und hat die Banken aufgefangen, im Moment siehts europaweit auch so aus als würden die grossen auch wieder gefangen werden, weil man halt doch wieder auf das System des Wirtschaftsaufschwungs setzt, weil man halt keinen anderen Weg kennt und den auch nicht ändern will ...

Wäre jetzt mal interessant zu hören was hier alle so denken, soll alles wieder so werden wie bisher oder wäre das doch mal eine Möglichkeit in Hinblick auf die Klimakrise doch noch was zu ändern?

Obermotz

Fünfzylindernazi
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Mein bestimmt ein bisschen naiver Ansatz zum Thema (ohne Konsumation irgendwelcher Verschwörungstheoretischer Medien, rein was ich mir selbst zusammenreim) ist folgender:
- Hauptprofiteure sind wieder die Banken, die sehr viel Geld herborgen, was in Negativzinszeiten sicher nicht besonders schmerzhaft ist
- Weiters profitieren besonders finanzstarke Aktionäre mit Aktienrückkäufen und ähnlichen destabilisierenden Maßnahmen die eigentlich reguliert werden sollten
- Hauptverlierer ist der Mittelstand, der die Schulden, die im Zuge der "Wirtschaftsrettung" aufgenommen werden in den nächsten Jahrzehnten tragen wird. Dabei bin ich der Ansicht, dass hier viel Missbrauch stattfindet wo die Gelder vor allem von den Firmen konsumiert werden, die die besseren Steuerberater haben ;) Vor allem wenn keine teilverstaatlichung stattfindet wie in den meisten Fällen
- Wie schon mal in einem anderen Thread geschrieben, ist unser kapitalistisches System nicht auf solche Krisen ausgelegt. Rücklagen zu bilden ist kontraproduktiv und wird steuerlich benachteiligt. Wer am Ende des Jahres am wenigsten Gewinn gemacht hat, zahlt auch am wenigsten Steuern.

Wenn man ein wenig überlegt dann fallen viele Punkte auf, wo man sagen könnte "das rennt sowas von falsch"; aber was soll man machen. Man is eh nur Passagier.

Die Klimakrise würd ich in einem Finanzthread eher nicht behandeln. Entweder das Eine oder das Andere.

XXL

insomnia
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Das ist ja das Problem, die Klimakrise kriegt man imho nicht durch reines Geldeinwerfen klein wie es jetzt immer propagiert wird (1 Billion Euro fürs Klima) sondern nur durch ein Einschränken der Weltproduktion (=Weltwirtschaft), deswegen wäre es ja gerade interessant diese Flaute mal zu benutzen vielleicht das ein oder andere große zu ändern (klar ist ein naiver Ansatz, träumen wird man ja noch dürfen)

Obermotz

Fünfzylindernazi
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Ja was glaubst. Alle rotieren schon weil sie ihr Business oder ihre Arbeit nicht ausüben dürfen. Sobale eine Einschränkung aufgehoben wird, werden 120% hochgefahren, egal welche Branche. Man muss Gewinn machen.
Generell sollte die Wirtschaft jedes Jahr um einige Prozentpunkte wachsen bis die Welt explodiert.
Scheiss auf das Klima, das ist jetzt erst mal vollkommen nebensächlich! (;))

22zaphod22

chocolate jesus
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Zitat aus einem Post von Obermotz
- Hauptprofiteure sind wieder die Banken, die sehr viel Geld herborgen, was in Negativzinszeiten sicher nicht besonders schmerzhaft ist

und die haftungen für "das risiko" ja vom staat übernommen werden ... ich weiß aus der tourismusbranche von einigen häusern die zu ihrer hausbank gegangen sind (so wie in der "anleitung" der förderstelle erklärt wird) mit 90% haftungsgarantie vom staat ... kasperltheater ...

Hokum

Techmarine
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Zitat aus einem Post von XXL
Link: www.handelsblatt.com[/postlink]

Ich mein man könnte sagen das aktuelle neoliberale Modell ist perfekt und noch mehr privatisieren ist besser und die Verteilung passt so wie sie ist, aber ich glaub selbst hier im Forum gibt es keine User die ihr Geld rein aus vorhandenem Kapital ohne viel Arbeit beziehen, dann hat man aber wahrscheinlich auch keine Probleme mit der Krise ...

IMHO ist das problem nicht das modell per se, sondern der ganze moral hazard rundherum. du kannst auch in einer marktwirtschaft über instrumente wie fiskalpolitik effektiv für das gemeinwohl arbeiten, du kannst marktversagen über gesetzliche regulierung verhindern (und viele der verdorbenen blüten des aktuellen kapitalismus sind marktversagen).
die sache ist, die politik ist immer auf einem spektrum der korruption und dient gerne den interessen weniger, und nicht der mehrheit oder gar der zukünftigen generation.

finanztransaktionssteuer, CO2 steuer funktionieren auch in einer marktwirtschaft. muss man nur einführen.

man bedenke auch dass der bailout per notenpresse nicht im neoliberalen sinne ist. wenn ein unternehmen keine reserven aufbaut um ein paar monate krise zu überstehen, geht es halt ein. wenn die banken wie 2008 gefährliche kredite ausgeben, gehen sie halt ein. für die nation hat das halt massive auswirkungen, und nach 1929 hat die wirtschaft einfach nicht von selbst neu starten wollen, wie es die neoliberalen vorausgesagt haben, vermutlich wg. enger geldpolitik und mangelnder nachfrage. wieweit die aktuelle geldpolitik unsere jetzige wirtschaftskrise lösen kann werden wir sehen, aber so wie es die FED betreibt scheint es mir nicht nachhaltig zu sein.
Bearbeitet von Hokum am 06.05.2020, 11:05

XXL

insomnia
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Ich weiss nicht wieso Stephan Schulmeister nicht öfters in anderen Medien zu lesen ist, der hat aber anscheinend einen komplett anderen Ausblick auf die Krise als z.B. die EU:


Das Modell selber ist ja auch nicht das Problem, aber es wird halt immer mehr in Richtung Spekulation mit dem Finanzmarkt getrieben, ich glaub jeder grössere Österreichische Bank hat mittlerweile im Online-Banking eine Sektion zum einfachen Aktien handeln, weil ein hochvolatiler Markt ja perfekt ist für Leute die nichtmal grundlegende Ahnung von Finanzwesen haben ....

Ist ja auch hier im Forum immer wieder ein Thema wie man sich finanziell absichert, finanzielle Absicherung ist aber sicher nicht das Problem das irgendwer von uns in 40 Jahren haben wird, sondern wahrscheinlich eher ob wir noch Fläche haben die nachhaltig Lebensmittel bereitstellen kann ...

XXL

insomnia
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Ein Zeichen der Zeit, während manche nicht wissen wie sie ihre Familien erhalten sollen bekommen andere sehr positive Zahlen ...

daisho

SHODAN
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Ja, weil die ihr Geld dort hin scheffeln wo es Geld zu holen gibt. Wir als arme Angestellte können einen Dreck tun ausser Glück haben dass wir nicht in einem Bereich arbeiten der mal einfach gekündigt wird weil wir eh entbehrlich sind oder gerade nicht arbeiten können.

Ein besonderes Dankeschön gilt sicherlich auch den Banken, die (zumindest meiner begrenzten Auffassung) einen Dreck getan haben um "Risiko-Kunden" zu helfen.

ccr


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Zitat aus einem Post von daisho
Ja, weil die ihr Geld dort hin scheffeln wo es Geld zu holen gibt. Wir als arme Angestellte können einen Dreck tun ausser Glück haben dass wir nicht in einem Bereich arbeiten der mal einfach gekündigt wird weil wir eh entbehrlich sind oder gerade nicht arbeiten können.

Ein besonderes Dankeschön gilt sicherlich auch den Banken, die (zumindest meiner begrenzten Auffassung) einen Dreck getan haben um "Risiko-Kunden" zu helfen.

Hast Du hier mal einen Blick in den Aktien-Thread geworfen? Da wurde in den letzten Wochen fleissig spekuliert, und wohl teils auch gut Gewinne mitgenommen - und die haben alle nicht das Einkommen vom Bezos ;)

XXL

insomnia
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Der Vergleich hinkt aber, während es hier im Aktienthread darum geht mehr Gewinne zu machen als die Gebühren ausmachen ist das bei einem Milliardär eher Nebensache ...

Selbst nach seiner Scheidung war Bezos noch immer reichster Mann der Welt, man sieht also wie egal es ist wenn man mal in einem Bereich angekommen ist ...

Was ich da eher tragisch finde ist wenn Leute in Aktien machen und dann gleichzeitig Umweltschutz oder Nachhaltigkeit fordern, da sind halt 2 komplett unterschiedliche Philosophien am Werk die sich komplett unterscheiden ...

semteX

salty as fck
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Zitat aus einem Post von ccr
Hast Du hier mal einen Blick in den Aktien-Thread geworfen? Da wurde in den letzten Wochen fleissig spekuliert, und wohl teils auch gut Gewinne mitgenommen - und die haben alle nicht das Einkommen vom Bezos

wenn du glaubst, dass die typischen poster im aktien thread zu der "corona wirtschafts risikogruppe" gehörten hab ich leider schlechte nachrichten...

ccr


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Zu den "Super Reichen der USA" gehören sie aber nicht. Nicht einmal zu den "Super Reichen Österreichs".
Und unsere Zahnärzte und Autohändler im Forum sehen sich wahrscheinlich schon eher als von Corona betroffen ;)

Edit: und ich selbst bin zwar aktuell recht entspannt, weil der Bonus für 2019 zum Glück Anfang März ausgezahlt wurde - 2021 fehlt mir dann aber mehr als 1/3 meines Jahreseinkommens, und das wird durchaus herausfordernd
Bearbeitet von ccr am 10.06.2020, 12:19

semteX

salty as fck
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eh, die haben es sich aber a ned mit risiko spekulationen besorgt :D

Viper780

Er ist tot, Jim!
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Zitat aus einem Post von semteX
eh, die haben es sich aber a ned mit risiko spekulationen besorgt :D

Hast im Aktienthread mitgelesen?
Da wurde mit Hebel ETF auf Fallende Kurse gewettet oder bei TUI und LH Rampaps mit genommen.
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