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Meinungsforschung heute

WONDERMIKE 20.01.2017 - 23:33 1248 2
Ich habe mich..
umentschieden, und habe es nicht bereut
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WONDERMIKE

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Gestern habe ich diesen Ö1 Beitrag gehört und mir gedacht die vielgescholtene Meinungsforschung muss auch mal ein bisschen verteidigt werden. Eigentlich ist es ja sogar geradezu großartig, dass die noch halbwegs(!) korrekte Ergebnisse liefern, wenn nur noch 1 von 10 Personen Auskünfte gibt. Früher hat nahezu jeder Auskunft erteilt. Auch die verschiedenen Methoden und die jeweilige Treffsicherheit sind sehr interessant.

Was ich auch nicht wusste: Das Ergebnis des Popular Vote haben die Meinungsforscher in den USA auf 1% richtig getroffen.

Interessant ist auch die Wirkung oder Nichtwirkung von Umfrageergebnissen im Wahlkampf und wie man sie deutet. Die Schwankungsbreite geht in der Meldung in den Medien meistens unter und auch Grafiken sind oftmals eher irreführend wie zuletzt hier:

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Ich persönlich habe mich noch nicht von Umfragen zu einer anderen Stimmabgabe(als ursprünglich geplant) verleiten lassen. Allerdings kann ich das nicht ausschließen und bei der letzten Wienwahl hätte ich vielleicht auch anders gewählt, aufgrund der dramatischen Kopf-an-Kopf Situation, die am Ende eigentlich nur herbeigeredet war.(bin in Wien nicht wahlberechtigt)

Deswegen ein kleiner Poll. Es soll jetzt nicht darum gehen, ob man einfach etwas anderes wählt als zuletzt. Mir geht es darum, ob man sich während eines Wahlkampfes durch Umfrageergebnisse umentschieden hat. zB weil der eigene Kandidat oder die eigene Partei in den Umfragen als chancenlos dagestanden sind.

Ein guter Freund hat damals bei der NR Wahl 1999 aus Angst vor einer blauen Regierungsbeteiligung zum ersten mal ÖVP gewählt und ärgert sich heute noch fürchterlich darüber, dass er der "Drohung" Schüssels nach eigener Aussage auf den Leim gegangen ist. Er wollte taktisch wählen, damit rot-schwarz fortbesteht und ist von der SPÖ zur ÖVP geschwenkt.

Hornet331

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Imo kann man das amerkanische umfragewesen durch das vorhande wahlsystem nicht mit unserm vergliechen.

Da in den USA mehrheitswahlrecht gilt ist dort der einfluss von umfragen u.a. größer als bei uns. In Kalifornien werden z.b. wesentlich weniger republikaner wählen gehen da sie von vornherin wissen dort keine chance zu haben. Deshalb gibt es dort auch die battleground states.
Wenn dort umfragen lange vorher schon immer einen kanidaten mit überweltigender mehrheit aus den umfragen hervor geht, kann dies wähler durchaus beinflussen. Aus meinersichtweise ist eine beeinflussung in beide richtungen möglich, die favoriten bleiben zu hause da "eh schon im sack" oder die underdogs gehen erst recht wählen.
Auch ist das polling wesen dortanders als bei uns, da dort hauptächlich modelle aks grundlage dienen die in drei große wählergruppen eingeteilt sind (regestriert republikaner, demokraten und independent). Schaut man sich viele der umfragen methodiken an war festzustellen, dass die independet voter gruppe in vielen polls massive unterrepräsentiert war und die demokraten überrepräsentiert. Da durch den bezug auf die vorangegangenen wahlergebnisse sich solche verhältnisse ergeben. Die LATimes hat ein anderes system verwendet und das ergebniss am genauesten vorher gesehen.

Die pollsters in den USA sind opfer ihre modelle (und erwartungen) geworden.

Da bei uns verhältniswahlrecht gibt, geht keine stimme "verloren", selbst in bezirken wo 95% A wählen können die 5% B übers gesammte noch immer einfluss nehmen.
Auch ist die umfrage methodik bei uns anders, da bei uns noch immer zufällig befragt wird und wechselwähler besser dadurch erfasst werden können.

Wenn ich aus meinen verwandten oder bekannten kreis ausgehen lassen sich die wenigsten von den umfragen beeinflussen, die meisten meinen ist eh alles ein blödsinn und wählen das was sie meinen (oder auch nicht und bleiben ganz zuhause)

Hansmaulwurf

u wot m8?
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Ich hab im Hinterkopf genau das befürchtet wie beim Brexit bei der US-Wahl, wegen dem Wahlmänner-System. Wie Hornet richtig sagt, hast du in den einzelnen Bundesstaaten ein Mehrheitswahlrecht. In den Prognosen gewann Hillary viele Staaten sehr knapp, und ein Trump war in der Schwankungsbreite. Genauso wie beim Brexit, und ich hab befürchtet wenn die sich um die 2-4% verschätzen wie beim Brexit wird Trump gewinnen und genauso wars, den es waren in Summe doch 5-10 Staaten wo Hillary nur <= 2% vorne war. Weiters haben sie zu sehr auf traditionelle Modelle gesetzt (wer 1 Monat nach den Parteitagen vorne ist, gewinnt) und solchen Szenarien viel zu viel Gewicht gegeben in einem unkonventionellen Wahlkampf. Und sowas wie Comey und die Russen kannst sowieso nicht modellieren.

Insofern waren die Umfragen nicht komplett daneben, aber die Modelle und Annahmen die daraus folgten waren fehlerhaft.
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