by karlstiefel - 16th July 2012 12:32 [Musikalischer Mehrwert] 234»
Musik und Videos gehören zusammen wie Montag Morgen und ein starker Kaffee. Doch wie kam es dazu? Genau dasselbe haben wir uns gefragt und die Geschichte des Musikfernsehens durchstöbert, von den bescheidenen Anfängen bis hin zu den nervigen Klingelton-Werbungen. Dazwischen liegt ein Trend, der massiv die Popkultur der vergangenen 30 Jahre geprägt hat. Welche Formen das Musikfernsehen seither angenommen hat und welche prominenten Gesichter auf MTV, VIVA und Co ihr Debut feierten, lest ihr hier!
Musikalischer Mehrwert
Die vier Jungs gehen auf die Bühne, im Publikum kreischen die Frauen während die Männer jubeln. Gitarren umgeschnallt, den Schlagzeughocker richtig eingestellt - nun folgt ein Hit dem anderen. Die Stimmung ist umwerfend, sogar vom neuen Album werden Lieder gespielt. Perfekt, denn dieses Beatles-Konzert wird von der BBC mitgefilmt und an die Fernsehgeräte zu Hause übertragen. Das war zu Beginn der 60er aber auch schon das Höchste der Gefühle: Konzertmitschnitte im Fernsehen. Erst künstlerische Versuche wie der Comicfilm Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band oder das “Musical” A Hard day’s night konnte man als echte Musikvideos der Pilzköpfe beschreiben. Auch für einzelne Lieder wurden im Verlauf der Karriere Videos angefertigt, doch das Musikvideo an sich war noch lange nicht im Mainstream angekommen. Viel mehr konnten die damaligen Clips mit Fernseh- und Filmkunst verglichen werden. Ein gutes PR-Mittel waren sie trotzdem auf jeden Fall - sie brachten die Musiker näher zu den Fans, auch ganz ohne den Künstler selbst. Einen anderen Ansatz verfolgte die amerikanische Sendung Soul Train. Sie feierte Musik wie R&B oder den namensgebenden Soul mit Live-Performances. Wie auch immer, Fernsehen und Popmusik sind dadurch sehr schnell Freunde geworden.
Soul Train war eine Musiksendung, bei der live getanzt wurde - Videoclips wurden nicht benötigt.
1979 begannen die Produzenten John Lack und Michael Nesmith (ehemaliges Mitglied der Band "The Monkees") eine Musikshow namens Popclips zu produzieren. Dieses wurde auf dem Kinder- und Jugendkanal Nickelodeon ausgestrahlt und nach einer Staffel wieder abgesetzt. Jedoch war das schnelle Ende der Show nicht auf einen Mangel an Erfolg zurückzuführen, sondern auf die durchwegs positive Reaktion des Zielpublikums. Die Warner Music Group, von der Popclips produziert und finanziert wurde, gab dem Team hinter der Sendung nämlich grünes Licht für ein komplett neuartiges Konzept in dieser Richtung: einen vollständigen Musiksender! Aus der halbstündigen Sendung sollte also ein ganzer Fernsehsender werden. American Express, dem neuen Investor bei Warner Music gefiel diese Idee, da für das aufkommende Satellitenfernsehen ein Mehrwert geschaffen werden musste. Als einer der ersten Sparten-Fernsehsender startete MTV (Kurzversion von Music Television) am 1. August 1981 sein Dasein. Zu Mittag dieses Tages war auf dem Sendeplatz der Countdown zum Start des Columbia Space Shuttles zu sehen, unterlegt mit den Worten “Ladies and gentlemen, rock and roll!”. Nach den spektakulären Bildern des Raketenstarts zu einer bunten musikalischen Untermalung folgte das erste Musikvideo: Video Killed the Radio Star von "The Buggles" (in dem übrigens Filmkomponist Hans Zimmer das Keyboard spielt!). Schon in den ersten Monaten wurden die Folgen des neuen Konzeptes spürbar: Dort, wo MTV empfangen wurde, verkauften sich die Alben der auf dem Sender gezeigten Künstler besser und viele Musiker begannen das Format “Musikvideo” ernst zu nehmen. Das war auch dringend notwendig, denn zu Sendebeginn hatte der Sender gerade einmal 168 Videos auf VHS-Kassetten in der hauseigenen Bibliothek. Auch hier waren viele Live-Aufzeichnungen dabei.