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Die Maus

karlstiefel 03.02.2012 50898 110
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Die Maus ist mittlerweile ein unverzichtbarer Teil jedes Standcomputers. Die Anzahl der Variationen ist kaum überblickbar - trotzdem wollen wir schauen, wie sich das Gerät entwickelt hat und wo es heute ist. Auch den nahen Verwandten der Maus- das Touchpad ist in diesem Zusammenhang einen Blick wert. Jetzt nutzt eure Maus schon und klickt diesen Artikel an!


Klick, klick!

“Hey, Leute! Ich hab was erfunden!”, platzte Douglas C. Engelbart 1964 in das Nachbarlabor in Stanford hinein. “Es ist für den Computer. Ein Eingabegerät, das man mit der Hand bewegt. Unten hat es Räder, die eine Position im zweidimensionalen Raum angeben und oben hat es einen Knopf.” Verwundert schauen sich Engelbarts Kollegen an. “Zeig mal her!” Der Professor holt seine Erfindung und hält sie stolz hoch. “Haha, du has eine Holz-Maus gebastelt!” spottet der vorlaute Doktorant. Der verdutzte Blick Engelbarts lässt den Aushilfs-Komiker zur Erklärung ansetzen. “Das Ding sieht aus wie eine Maus! Rotes Auge und das Kabel ist der Schwanz.” Kurz wird das Gerät gedreht und gewendet und tatsächlich - eine kastenförmige Maus. “Und wozu kann man das Gerät nutzen?” - “Wie ich schon sagte, es bewegt den Mauszeiger auf dem Desktop. Ein Doppeklick kann Ordner öffnen und Schaltflächen können betätigt werden. Und wenn man auf ein YouTube Video klickt, wird es pausiert! Oder bei Windows 7 ist es super praktisch - fährt man in die rechte untere Ecke, wird der Desktop angezeigt!” Peinliche Stille erfüllt den Raum. “Douglas, du bist ein Idiot! Wir sind in den Sechziger Jahren, das Internet wird erst in über zwanzig Jahren erfunden und es gibt noch keine Betriebssysteme mit Grafikoberflächen! Ich weiß zwar nicht, was Windows 7 oder YouTube sein sollen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass beides auch noch nicht erfunden wurde! Und jetzt hör auf, Blödsinn zu basteln und arbeite weiter an deiner dummen Zeitmaschine!” So entstand die Computermaus - zumindest hat es sich so in meinem Kopf abgespielt.

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Der Prototyp der ersten Maus, Baujahr 1964.


Aus dem Forschungsteam wechselte in den frühen Siebziger Jahren William English zur Firma Xerox, die das Potenzial der Peripherie erkannte. Bei der Weiterentwicklung wurden die beiden Räder am Boden der Maus durch eine Rollkugel ersetzt, die Räder wurden nach innen verlagert. Verwendet wurde sie für den Xerox Alto, einen Computer mit Grafikoberfläche. Bis zum kommerziellen Angebot einer Computermaus dauerte es noch ein Jahrzehnt - erst 1981 gab es das Zubehör für den Xerox Star zu haben. Billig war es nicht gerade - 400 Dollar für die Maus selbst und zusätzliche 300 für die entsprechende Schnittstelle. Dem gegenüber stand gerade einmal zwei Jahre Später die Firma Apple mit einer 25-Dollar-Maus für den Apple Lisa. Das nachfolgende Erfolgsmodell Macintosh übernahm das Prinzip des grafischen Betriebssystems und behielt daher die Maus bei. Das Konkurrenzprodukt von Microsoft folgte bald und schon damals war der größte Unterschied zwischen den beiden Computermarken vorhanden: Während Apple-Mäuse nur eine Taste hatten, waren auf Micrsoft-Geräten zwei Tasten vorhanden. Rechtsklick FTW. Die Einführung der PS/2-Schnittstelle erfolgte durch IBM im Jahre 1987, bis dahin gab es keine einheitlichen Steckplätze für die Geräte. Der Name geht auf den damals erschienenen Personal System 2 Rechner zurück.

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Der Xerox Alto (links) hatte schon 1973 eine Maus, ein Jahrzehnt vor dem privat erhältlichen Apple Lisa (rechts).



LAZER!™

Alle Mäuse bis dahin waren mit Trackballs ausgestattet, die man regelmäßig aus dem Gerät nehmen und säubern musste. Analog quasi. In den Achtzigern wurden Bildbearbeitungs-Prozessoren günstiger - die Grundlage für die optische Maus war vorhanden. Erste Modelle waren noch für die industrielle Anwendung gedacht, bei der eine Präzision benötigt wurde, die Kugel-Mäuse nicht bieten konnten. Dafür wurde noch ein eigenes Mousepad mit einer speziell reflektierenden Oberfläche benötigt. Lange wurden LEDs als abtastbare Lichtquelle verwendet, die präziseren Laser-Mäuse gibt es erst seit 2004. Durchgesetzt hat sich die Technologie erst im vergangenen Jahrzehnt - davor waren die Geräte wie schon so oft einfach zu teuer für den Privatgebrauch. Im Laufe der Zeit wurde das Eingabegerät immer praktischer gestaltet - seit 1995 gibt es das Mausrad, die 1984 von Logitech vorgestellte kabellose Maus (damals noch basierend auf Infrarot-Technologie) wurde Anfang der Neunziger salonfähig und löst bis heute wahre Glaubenskriege aus.

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Der Gavilan SC hatte als erstes mobiles Gerät ein Touchpad - und das schon 1983!


Wechseln wir kurz vom Rechner auf den Laptop. Keine Maus? Kein Problem! Denn das Touchpad übernimmt hier die Funktion des Plastik-Nagers. Die Vorteile dieser Eingabemethode liegen klar auf der Hand: wenig Platzverbrauch, wenig mechanische Teile und die komplette Integration in die Hardware. Um 1984 herum gab es die ersten wirklich mobilen Computer, damals noch ohne einheitliche Eingabesysteme. Während das erste Touchpad im Gavilan SC eingebaut wurde, erhielten IBM-Computer einen kleinen roten Knopf in der Mitte der Tastatur. Trackpoint heißt der Joystick-Ersatz (als solcher war er gedacht), für dessen Bedienung man die Finger nicht von der Tastatur nehmen muss. Den Thinkpad Notebooks gefallen beide Eingabegeräte so gut, dass heute zwei Maus-Alternativen in die Geräte eingebaut werden. Innovativer ist aber auf jeden Fall das Touchpad - hier wird der Finger zum eigentlichen Eingabegerät. Technisch gesehen ist hier keine Zauberei involviert, nur elektrische Kapazität. Zwei Folien liegen übereinander, Druck schließt den Stromkreislauf und die eingebauten Sensoren messen, wo dies geschieht. Hier brauchen wir keine Maus und keinen Stylus - nur einen Finger unserer Wahl. Auch hier wurden zahlreiche Features über die Jahre hinzugefügt: Während der rechte Rand zum Scrollen verwendet werden kann, bietet die Multi-Touch-Funktionalität neue Möglichkeiten der Nutzung. Einerseits können Gesten mit Befehlen verwendet werden - drei Finger wischen nach links bedeutet “zurück”, dieselbe Bewegung in die Gegenrichtung heißt “weiter”. Wirklich einheitlich ist diese Art der Steuerung aber noch nicht. Dann wäre da noch die relative Positionierung der einzelnen Finger. Werden diese auseinandergezogen, vergrößert sich ein geöffnetes Foto, eine Kreisbewegung mit beiden Fingerspitzen dreht das Bild. Die Anwendungsmöglichkeiten sind zahlreich, nur stehen sie in einer Sackgasse - denn das Touchpad wird bald vom Touchscreen abgelöst und dieser hat andere Ansprüche.

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Das iPhone von Apple zeigt, was das Touchpad in Zukunft so können muss.



Ob groß, ob klein - alle Mobilengeräte wollen ein iPhone sein!

Hypemaschine Apple hat für das neue Smartphone einen Rekord von über eine Millionen Vorbesteller am ersten Tag aufgestellt. Während Handys mit Touchscreen schon längst etabliert sind, befinden sich Tablet-Computer am Vormarsch - iPad sei Dank. Mäuse brauchen diese Geräte nicht mehr - das Gerät selbst ist die Bedienfläche, Eingabe und Ausgabe verschmelzen zu einem Bildschirm. Das ist praktisch für den Benutzer, weil ein direktes optisches Feedback vorhanden ist. Mit einer Maus in der Hand bewege ich nicht den Curser selbst, sondern nur den Übermittler. Das ist durch den Aufbau von Heimcomputern so bedingt - es wäre einfach unpraktisch, den 24 Zoll Bildschirm permanent zu betatschen. Smartphones und Tablets unterscheiden sich aber in der Benutzung. Sie sind mobil, liegen in der Hand und würden durch Peripherie nur gebremst werden. Gerät und Nutzer sind sich näher gerückt. Wenn man etwas auf dem Bildschirm sieht, berührt man es - das ist viel natürlicher als ein zusätzliches Eingabegerät. Und genau darin liegt die Zukunft. Werfen wir einen Blick auf den Blade Gaming-Laptop von Razer. Dieser hat statt einem langweiligen Touchpad ein berührungssensitives Display neben der Tastatur. Basierend auf dem laufenden Programm - oder in diesem Fall wahrscheinlich Spiel - ändert sich die Eingabefläche. Karten werden eingeblendet, neue Knöpfe erscheinen, die Interaktion wird auf eine neue Stelle erweitert. Aktuell hat dieses Stück Technik natürlich noch einen absurd hohen Preis, der nur Hardware-Fetischisten mit zu viel Geld als Zielgruppe übrig lässt. Aber es ist ein “Proof of Concept” in Massenfertigung, quasi in freier Wildbahn. Kostengünstiger ist die iPhone-App für StarCraft 2: Bedienelemente vom Bildschirm werden auf den Tocuhscreen verlegt. Man navigiert über die Karte, wählt Einheiten aus und erstellt Baulisten - alles auf einem Bildschirm. Zwar wird diese nette Ergänzung es nicht in die eSports-Ligen schaffen - eine wegweisende Idee ist es allemal. Wieder stehen wir - wie schon so oft in der Technikgeschichte - an dem Punkt, der nach einheitlichen Konventionen verlangt. Dass die Maus oder das Touchpad vor euch zwei (für Apple-Nutzer eine) Taste hat, war nicht immer so selbstverständlich. Wie die Peripherie der Zukunft aussieht, werden wir wohl sehen und vor allem berühren.

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Der Razer Blade Gaming-Laptop: Statt einem Touchpad gibt es einen Touchscreen.


Da steht ein Raumschiff auf dem Tisch

Nicht nur bei Tastaturen lässt sich eine ganze Hardware-Freakshow auf die Beine stellen, denn abgedrehte Mäuse gibt es mehr als genug. Fangen wir bei der Evoluent Vertical Mouse an - diese stapelt eine Maustaste auf die andere und dreht das gewohnte Layout um neunzig Grad. Angeblich ergonomisch wertvoll, auf jeden Fall ungewohnt. Ähnliches Konzept, anderer Winkel: der Wowpen kombiniert die Handhabung eines Stylus mit der Funktion einer Maus - für Grafiker könnte das eine zumindest interessante (wenn auch nicht unbedingt praktische) Alternative sein. Sony hingegen kombiniert nicht zwei ähnliche Geräte, sondern kreiert ein ungewöhnliches Paar. Das “Skype Mouse Phone” ist ein aufklappbares Telefon, das geschlossen als Maus verwendet werden kann. An sich ja keine blöde Idee - außer, man möchte während des Telefonierens den Computer weiter verwenden. Man kann ja den Kopf auf den Tisch legen und mit der Schreibfläche kuscheln. Schön finde ich auch die Razer Naga, die durch eine überwältigende Anzahl an Daumen-Knöpfen beeindruckt. Die für MMOs gedachte Maus hat nämlich ein Dutzend Buttons an ihrer linken Seite - nichts für Grobmotoriker. Natürlich gibt es hier noch unzählige Ausformungen der Peripherie - von Controllern für den dreidimensionalen Raum bis hin zu pistolenähnlichen Geräten. Aber das würde zu weit führen, bleiben wir auf dem Mousepad der Tatsachen.

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Ich habe nicht das Gefühl, dass die Razer Naga über genug Seiten-Tasten verfügt ...


Tasten! Überall Tasten!

Dieser kleine Exkurs in die Welt der Eingabegeräte vor uns hat nur an der Oberfläche gekratzt. Entwicklung findet statt - daher wird es immer wieder neue Geräte mit ergonomischem Design und Zusatzfunktionen geben. Tastaturen mit Bildschirm, Mäuse mit clever angeordneten Knöpfen und Touchscreens statt Touchpads - die Auswahl ist groß und die Bedürfnisse der Nutzer sind verschieden. Manche brauchen ein teures Teil mit Glidepad, andere geben sich mit einer einfachen Maus und einem Stoff-Pad zufrieden. Aber bei einem Punkt können wir uns sicher sein: Wir sind seit Schreibmaschinen und Holzkästen mit Rädern sehr weit gekommen.

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Logitech MX Revolution: Für karlstiefel die einzige Wahl.
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