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FAQ: Windows -> GNU/Linux - Umstieg, Einstieg, Aufstieg

COLOSSUS 20.10.2004 - 12:30 270930 613 Thread rating
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COLOSSUS

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Last update: Top-Link hinzugefuegt.

Vorweg ein meiner Meinung nach guter Artikel mit der Überschrift "Debunking Common Misconceptions Among Linux Newbies". Lesenswert!

Beachtet bitte auch meine uebrigen Tutorials auf meiner Homepage: http://johannes.truschnigg.info/tut/

Vorschläge für weitere Kategorien/Ergänzungen werden gerne angenommen.

Da in letzter Zeit immer wieder ähnliche Fragen aufgetaucht sind, die zwar im Detail verschieden formuliert sind, aber doch inhaltlich weitesgehend kongruent scheinen, will ich hier ein kleines FAQ präsentieren, das geneigten Um/Ein/Aufsteigern die ersten Schritte erleichtern soll.

0.) Vorwort

In dieser nachträglich hinzugefügten Sektion will ich versuchen, einen möglichst objektiven Überblick darüber zu geben, was GNU/Linux kann, wofür es (besonders) geeignet ist, und wer für seinen Einsatz geeignet ist - und auch, wer besser bei Windows bleiben sollte.
Eines vorweg: GNU/Linux ist nichts für Gamer. Es gibt tatsächlich immer wieder Leute, die behaupten, dass man mit "Linux mehr FPS" kriegen könne, oder irgendwelche anderen Vorteile aus dem Betrieb von Linux, was Spiele betrifft, zu ziehen in der Lage sei. Das ist zu 99.9997% falsch. Es gibt zwar einige Kombinationen von Hardware und Treibern, mit denen man nativ portierten Titeln von id-Software das eine oder andere Prozent mehr Leistung entlocken kann (ganz besonders in Verbindung mit Punkbuster!), aber generell ist zu sagen: Linux und Spiele vertragen sich nicht besonders. Wer dennoch nicht auf einige Titel verzichten Will, sollte sich mit dem WinAPI-Abstraktionsprogramm WINE, oder seinem speziell auf Spiele optimierten Halbbruder, Cedega (ehemals WineX), auseinandersetzen. Diese erlauben den Betrieb einer Vielzahl von Windowsprogrammen unter Linux, wenngleich meist mit einigen kleineren Einschränkungen und/oder Ungereimtheiten.
Damit war's das aber eigentlich auch schon - wer nicht jeden Tag einige Stunden Gezocke braucht, um glücklich zu sein, sondern den PC hauptsächlich als Medium zur Kommunikation, Informationsbeschaffung oder fuer kreatives Gestalten einsetzt, kann - und wird, genügend Lernwilligkeit vorausgesetzt - mit GNU/Linux glücklich werden. Wovon man sich allerdings verabschieden muss, sind einige althergebrachte Windows-Dogmen - der Ansatz der beiden Systeme ist ein völlig anderer, was alleine schon an den jeweiligen Urahnen deutlich wird (DOS und UNIX). Wer allerdings bereit ist, das System zu erlernen - was einige Zeit dauern kann, aber prinzipiell von jedem zu bewältigen ist - dem steht eine völlig neue Computererfahrung bevor. Mit der Zeit kommt man davon ab, alles in einer graphischen Umgebung ausführen zu wollen, da sich viele alltägliche Arbeiten sehr schnell via der - anfangs vielleicht gefuerchteten - Kommandozeile erledigen lassen, und man, sofern man nicht ausdrücklich möchte, in keiner Weise vom System bevormundet wird. Man lernt Linux zu schätzen, weil man sich nicht jeden Tag um neu entdeckte, kritische, vielleicht niemals gefixte Sicherheitslücken sorgen machen muss; man kann absolut frei zwischen verschiedenen Programmenalternativen wählen; man hat das System wirklich unter Kontrolle. GNU/Linux-Installationen neigen auch nicht dazu, mit der Zeit unerträglich langsam, unbequem, und durch nicht mehr sauber entfernbare Daten- und Dateileichen verschmutzt zu werden.
Kurz: ist ein unixoides System einmal eingerichtet, läuft es meist über Jahre hinweg auf einem sehr hohen, nutzerfreundlichen Niveau, ist leicht zu warten, weitestgehend sicher in Netzwerken, komfortabel zu bedienen, und angenehm zu nutzen. Und seit kurzem steht - unter Linux zumindest - sogar einer Partie Doom 3 zwischendurch nicht mehr allzu viel im Wege. ;)

1.) Hilfe bekommen

Auch versierte Nutzer von Windows werden sich aufgrund der prinzipbedingten Differnzen zwischen "ihrem" und UNIX-Systemen nicht sofort und ohne zu lernen zurechtfinden. In der gut dokumentierten Welt der UNIX-Software ist das aber nur eine Frage der Zeit und des Einsatzes des Lernenden, bis sich dieser Missstand bessert. Fast jedes Programm in einem Linux-System kommt mit einer sogenannten Manpage auf's System; einem Dokument, das ein mehr oder minder ausführliches Handbuch in digitaler Form bietet. Das erste Kommando, das ein neuer Linux-User am Kommandoprompt eingeben sollte, ist `man man` - dies zeigt das Manual zur Applikation "man", welche zum Betrachten dieser geschrieben wurde. Es ist anzuraten, sich mit den Features von man vertraut zu machen, man wird sich realtiv oft beim Lesen solcher Manpages ertappen - und spätestens bei z. B. der Lektüre des Handbuchs des Optionsmolochs "mkfs" macht es sich bezahlt zu wissen, dass "/" eine Suche nach vorn innerhalb der Manpage einleitet.

Oft bietet das Handbuch allerdings nicht alle Informationen, die man vielleicht benötigt - und auch eine Suche im Alternativsystem "info" (`man info`, `info info`, `info man` seien an dieser Stelle als zu lesen empfohlen ;)) bleibt ohne Erfolg. Was dann?

Es gibt mehrere Anlaufstellen für für den Einzelnen schier unlösbare Probleme, bevorzugt ist auf jeden Fall Google zu erwähnen - es ist _äußerst_ unwahrscheinlich, dass man zum ersten Mal auf das aufgetretene Problem gestoßen ist, fast immer existiert eine Art "Präzedenzfall" in den Weiten der umfassendsten www-Suchmachine. Sollte auch diese Suche wider Erwarten nichts ergeben, kann man sich, sofern vorhanden, an den distributionsspezifischen Support wenden, im Falle von SuSe oder Red Hat Enterprise Linux z. B. die Hotline(s), im Falle von Gentoo beispielsweise das Gentoo-Forum. Weitgehend Distributionsunabhängig ist z. B. die englischsprachige Diskussionsplattform LinuxQuestions.org.

Eine Warnung vorweg: In communitygestützten Supportsystemen bieten Freiwillige unentgeltlich Hilfe an, und teilen ihren Wissensschatz ohne erzwungene Gegenleistung. Deswegen _hasst_ man es dort, redundante und/oder überflüssige Fragen zu beantworten oder gestellt zu sehen, die mit ein wenig mehr Einsatz und Eigenrecherche ohne Probleme nichtig wären. Es ist absolut nicht anzuraten, ohne eingehendem Studium des Problems mit diesem sofort und unmittelbar auf eine Mailingliste oder Forum zu belasten - in der Regel endet es mit einer schroffen Zurechtweisung mittles "RTFM!".

Die in den letzten Jahren (aus gutem Grund)s o populär gewordene Distribution Ubuntu bietet ein deutschsürachiges Wiki auf http://wiki.ubuntuusers.de/ - wer auf Gentoo getrimmte, aber durchaus distributionsneutral verwendbare HowTos spitzt, wird auch http://www.gentoo-wiki.com fündig.

Dennoch - sollte trotz aller Mühen einfach keine Lösung in Sichtweite sein, kann man fast sicher davon ausgehen, dass irgendein Guru in der Lage sein wird, mit dem richtigen Zaunpfahl zu winken, und man schließlich das Problem lösen wird können.

2.) Am System anmelden

Nach der Installation einer Distribution ist man bei Linux und UNIX-artigen Betriebssystemen dazu gezwungen, sich unter Angabe eines Login-Namens und damit assoziierten Passwortes anzumelden (es gibt zwar noch andere Möglichkeiten der Nutzerauthentifikation, doch muten diese eher etwas exotisch an, und empfehlen sich nur Fortgeschrittenen Nutzern). Dies nennt man "login", und kann sowohl grapisch, als auch textbasiert erfolgen. Allen UNIX-Systemen ist die Existenz des "Gottusers" root, der uneingeschränkter Vollmachten im System genießt, gemein - dieser User muss im System existieren, da es sich sonst nicht verwalten lässt! Bei den meisten Distributionen kann man das root-Passwort selbst festlegen, ansonsten verbirgt es sich garantiert irgendwo in der Dokumentation. Ganz wie bei Windows ist es unter *N*X _absolut_ nicht anzuraten, als root/Administrator angemeldet zu sein, wenn das nicht unbedingt notwendig ist, und z. B. tiefgreifende Änderungen im System notwendig sind. Deswegen erstellt JEDE Distribution in der Regel einen "normalen", unprivilegierten Nutzer während des Setups, unter dem dann auch zu arbeiten ist. Dies ist _nicht_ optional, und Pflicht für einen vernünftigen Umgang mit Linux/UNIX. Sollte man das Nutzerkennwort eines normalen Nutzers vergessen haben, kann man dieses mithilfe eines Logins im root-Kontext neu setzen, und zwar durch `passwd <username>`, wobei <username> natürlich entsprechend zu substituieren ist.

3.) Zurechtfinden im System

Wer von Windows auf Linux migriert, wird sich von einigen - in Windows, nicht im "Rest der Welt" - gebräuchlichen proprietären "Standards" verabschieden müssen. Der offensichtlichste Unterschied für einen Umsteiger ist vermutlich die veränderte Verzeichnisstruktur. Ist man aus Windows und DOS eine Aufteilung in Laufwerke, Ordner und Dateien gewohnt, kennt man bei Linux nur Verzeichniss und Dateien (wobei erstere eigentlich auch nur letztere sind, aber das würde jetzt zu weit führen ;)). Während Windows mehrere Wurzelverzeichnisse (= Laufwerksbuchstaben) hat, gibt es unter Linux nur ein solches, nämlich "/". So findet man zum Beispiel die Datei "hosts", eine Art lokaler, manuell zu verwaltender DNS-Cache, in Windows NT 5.X in "C:\WINNT\system32\drivers\etc\hosts", während man in Linux mit "/etc/hosts" fündig wird. Hier wird auch gleich ein weiterer gewichtiger Unterschied deutlich, der Directory-Delimiter - also mit welchem Zeichen man eine Verzeichnisebene "weiterspringen" kann. Bei Windows ist die der Backslash ( "\" ), bei UNIXoiden Systemen ein normaler Slash ( "/" ). Welche Verzeichnisse (Bitte beachten: Unter Linux gibt es keine Ordner, der korrekte Ausdruck ist einzig und allein Verzeichnis - auch wenn KDE und GNOME mittlerweile leider die Nomenklatur von Windows übernommen haben!) in einem Linux-System wofür zuständig sind, ist in der LSB festgelegt; wer einen schnellen Überblick darüber haben möchte, sei auf den Linux File System Hierarchy Standard verwiesen.

Windows-Nutzer, die mit Partitionen arbeiten, und deswegen mehrere "Laufwerke" am Arbeitsplatz haben, fragen sich jetzt vermutlich, wie man so etwas unter Linux realisiert - schließlich gibt's da ja "nur" "/". In diesem Punkt zeigt sich Linux allerdings felxibler, als man vielleicht meinen möchte - man ist nämlich nicht an ein starres Korsett aus maximal 26 Laufwerksbuchstaben gebunden, sondern kann theoretisch beliebig viele formatierte Partitionen in ein Verzecihnis seiner Wahl "mounten" (zu Deutsch: "einhängen"). Diese Möglichkeit betrachtet man offensichtlich auch bei Microsoft als sinnvoll, sonst hätte sich dieses Feature wohl kaum heimlich in den Funktionsumfang von NTFS geschlichen, mit dem man mittlerweile auch Partitionen in Ordner einhängen kann.

Viele Nutzer wollen sich nicht "mit dem Textmodus abquälen", weil der "wie DOS" aussieht. Doch die DOS-Shell "command.com" mit der Linux-Standardshell "bash" zu vergleichen, ist in etwa wie einen Trabi einem Mc Laren F1 gegenüberzustellen... Das Arbeiten auf der Kommandozeile unter Linux ist im Vergleich _äußerst_ komfortabel und angenehm, und viele Tasks können von einem erfahrenen User um viele hundert Prozent schneller auf dem Kommandoprompt durchgeführt werden, als dies in einer GUI jemals möglich wäre - es empfiehlt sich also, bzw. ist unabdinglich, die Bedienung eines Linux-Systems auf der Konsole zumindest in den Grundzügen zu beherrschen, spätestens wenn der graphische Modus wegen einer leichtfertigen Konfigurationsänderung nicht mehr starten will, zahlt sich das aus.

Die graphische Oberfläsche startet man von der Kommandozeile aus mittles `startx`.


4.) Vorhandene Datenbestände

Das erste Problem wird beim Umstieg vermutlich sein, dass man seine gesammelten Daten nicht verlieren will. Wie problemlos die Migration vonstatten geht, ist eine Frage des verwendeten Dateisystems. Auf MS-Systemen findet man in der Regel FAT(32) oder NTFS, Linux hingegen utilisiert meist ext2, ext3, reiserfs oder ähnliches, um Dinge zu speichern. Wenn es nur darum geht, Dateien von Windows auf Linux-Partitionen umzuschichten, reicht ein aktueller Linux-Kernel mit NTFS-Support aus, um Daten zu lesen. Dazu muss die NTFS-Partition "gemountet" ("eingehängt") werden, das funktioniert im Falle eines NTFS-Dateisystems auf /dev/sda5 (erste erweiterte Partition auf der ersten Platte am ersten SATA-Controller) z.B mit dem Kommando `mkdir /mnt/sda5; mount -t ntfs -o ro,umask=022,uid=$UID /dev/sda5 /mnt/sda5`. Danach kann man auf die Daten des NTFS-Dateisystems unter /mnt/sda5 zugreifen, allerdings "ro" (read-only, nur lesend). Mittlerweile hat sich ntfs-3g zum Schreiben aus GNU/Linux-Systemen heraus auf NTFS-Volumes bewährt; in den weiter oben beschriebenen Hilfe-Ressourcen lässt sich dazu notwendige Information leicht aufspüren.

Etwas komplizierter wird es, will man, z. B. auf einem Dualboot-System, eine Partition mit beiden Systemen, also Windows und Linux, lesend UND schreibend nutzen können. Hierfür gibt es, im Falle von NTFS, das mittlerweile durch das obig erwähnte ntfs-3g obsolet gewordene Tool Captive, das den Windows-Treiber für NTFS für Schreib- und Lesezugriffe auf das Gastdateisystem nutzt. In jedem Fall schneller und reibungsloser tauscht es sich Daten zwischen Windows und Linux allerdings über eine FAT32-Partition; dafür bringt Linux auch Schreibsupport im Kernel mit. Die meiner Erfahrung nach beste Methode ist aber, für die gemeinsame Datenpartition (hierfür erstellt man am besten eine alterhegebrachte DOS-Partition; egal ob erweitert oder primaer) ext3 zu verwenden - die Treiber von http://www.fs-driver.org für Windows haben sich in vielfachen Tests wirklich bewährt. Einziger Wehrmutstropfen: Alle neu erstellten Dateien gehören automatich dem User root.


5.) Softwareinstallation

"Arbeitsplatz, CD-Laufwerk, Setup.exe doppelklicken" - kennt jeder, wohl oder übel. Viele meinen, dieser Vorgang, inklusive dem Befolgen der Anweisungen auf dem Bildschirm, gegeben von einem äußerst hilfreichen und kompetenten "Assistenten", ist der Stein der Softwareinstallationsweisen. Wenn man sich einmal an diese Variante gewöhnt hat, kann es durchaus sein, dass man mit einem Linux-System erst einmal ziemlich dumm dasteht - keine "setup.exe" zu finden, stattdessen nur .rpm, .deb oder gar .tar.gz zu sehen...
Also was tun?
Moderne Distributionen installieren .rpm meist auf (Doppel)Klick im verwendeten Dateibrowser (meist der weiter unten nochmals erwähnte Konqueror), ansonsten bieten ALLE (brauchbaren) Distributionen eine Form von Paketmanagement, die über die Basisfähigkeiten von RPM hinausgehn. Da dies ziemlich distributionsspezifisch ist, kann und will ich nicht näher darauf eingehen; diese RPM-Enhancements sind allerdings meist recht einfach über eine Art "Startmenü" auf der graphischen Oberfläche zu finden und auch zu starten.

Wer sich anfangs mit den etwas gewöhnungsbedürftigen/ungewöhnlichen Applikationsnamen von Linuxprogrammen schlecht zurechtfindet, dem sei diese Äquivalenztabelle an's Herz gelegt, die eine gute Übersicht bietet, welche Alternativen zu Windows-Software es gibt, die in etwa die selbe Funktionalität wie ihre Win32-Pendants bieten. Sollten sich gewünschte Programme einmal nicht im Verzeichnis des distributionseigenen Paketmanager befinden, kann man sich Builds für den verwendetn Linux-Flavour meistens auf der Homepage des jeweiligen Projekt holen, oder man bedient sich der Suchmaschine Google.

Im Falle eines .tar.gz oder .tar.bz2-Archives stellt sich die Sache etwas schwieriger dar, hier muss zumeist von Source kompiliert werden. Wie auch immer, in 99.9995% aller Fälle liegt einem solchen Archiv, das man im Falle von ".tar.gz" (oder ".tgz") als Dateierweiterung mit `tar -xvzpf <archivname>`, und im Falle von ".tar.bz2" als Endung mit `tar -xvjpf <archivname>` extrahiert wird, eine Datei namens "README" bei, die, ganz ähnlich dem Installationsassistenten bei einem Windows-Setup, Informationen beinhaltet, wie man die Software installiert. Zum Ansehen von Textdateien dient meist der Pager "less", aufzurufen mittels `less <dateiname>`. Meistens ist auch noch eine Datei "INSTALL" in einem solchen Archiv enthalten, die den Installationsvorgang ohne Beiwerk beschreibt, aber eher für Ungeduldige oder Erfahrene bestimmt ist, oder solche, die durch eine Referenz aus der README auf INSTALL verwiesen wurden.

Anmerkung: Besonders komfortabel installiert sich Software bei Derivaten von Debian, und bei Gentoo - für erstere gibt es eine graphische Paketverwaltung namens Synaptic, die sich über das CLI-Programm apt-get legt, und für Gentoo das Portage-System. Empfehlenswerte Kandidaten aus dieser Kategorie sind z. B. Ubuntu Linux, bzw. Sabayon Linux.

6.) Netzwerke

Unter Windows kennt wohl jeder Netzwerknutzende die "Netzwerkumgebung", die über das SMB-Protokoll über TCP/IP (oder ggf. andere Protokolle) das Tauschen von Dateien und Sharen von Druckern erlaubt. Linux "spricht", den richtigen Daemon (= ein Programm, das meist Serverfunktionalitäten bereitstellt und im Hintergrund arbeitet, ähnlich Services unter WinNT) vorausgesetzt, auch SMB - und das sogar um einiges performanter als Windows selbst. Da die Konfiguration dieses Daemons, Samba, recht aufwendig ist, will ich hiermit auf die Homepage des Projekts verweisen, das genügend Dokumentation bieten sollte.

Wenn man nicht unbedingt mit Samba kämpfen will, und sich mit etwas weniger konfigurationsaufwendigen Dateitransfermitteln abzugeben bereit ist, sollte man sich den Betrieb eines FTP-Daemons überlegen. Ich verwende Very Secure FTPd, kurz vsftpd, der für einen FTP-Daemon, nicht zuletzt wegen eines doch etwas spartanischen Featuresets, sehr hohe Sicherheitsstandards erfüllt. Ein sehr gutes deutsches Tutorium zur Einrichtung des Servers findet sich auf der empfehlenswerten Seite Linuxfibel. Wer einen graphischen FTP-Client für Linux sucht, wird vermutlich mit gFTP glücklich werden; KDE-Nutzer werden vermutlich gleich zu Konqueror greifen, der neben ftp, http und lokalem Zugriff auch noch eine Vielzahl an anderen Protokollen und Standards unterstützt. Auch der OpenSSH-Server, der bei quasi jeder nicht-embedded-Distribution mit von der Partie ist, bietet via SFTP Dateitransfermoeglichkeiten.

7.) Systemsicherheit, Firewall, Dienste

Ein durchschnittliches Windows NT 5.x-System ist, laut Lehrmeinung, in "freier Wildbahn", also ungeschützt mit dem Internet verbunden, in etwa 16 Minuten mit einem bösartigen Programm (sei es Malware oder ein wirklicher Virus/Trojaner) infiziert. Deswegen sind es Windows-Nutzer gewohnt, Programme wie Virenscanner und Personal Firewalls zu installieren, bevor irgendetwas Anderes mit dem Rechner passiert.

Bei Linux sieht das ganze anders aus - Linux-Viren gibt es praktisch nicht (und damit auch keine entsprechenden Scanner, die gibt's für Linux-Rechner nur, wenn sie Daten auf Windows-Viren scannen sollen).

Deshalb gleich zum Thema Firewalls: Große (Komfort-)Distributionen installieren zwar gleich ein vernünftiges Ruleset für netfilter/iptables (die in den Linux-Kernel "eingebaute" Firewalling/Packet Management-Engine, die noch VIEL mehr kann, als einfach nur Ports blocken), im Allgemeinen ist dies aber nicht absolut obligatorisch. Das Problem von Windows ist nämlich, dass unheimlich viele Dienste (ähnlichen den schon zuvor erwähnten Daemons unter *N*X) im System laufen, die, zumeist unnötigerweise, auch über das Netzwerk erreichbar sind. Es gibt also im Wesentlichen zwei Möglichkeiten, sein System gegen entfernte Angreifer abzusichern:

a) Durch eine Firewall
iptables ist ein Aufsatz auf den Linux-TCP/IP-Stack, der Paketfilterung und -kategorisierung nach einer vielzahl sinnvoller Gesichtspunkte erlaubt. An dieser Stelle muss ich mich aber sofort so geschickt wie möglich aus der Affäre ziehen, denn die iptables-Konfiguration erschöpfend zu erklären, ist ein für einen nicht-Guru wie mich hoffnungsloses Unterfangen. Ergo verweise ich dieses Mal auf eine externe Linksammlung zu diesem Thema, und einem (leider nicht immer erreichbaren, aber) hervorragenden iptables-Regelgenerator.

b) Durch das Abschalten von Diensten/Daemons
Linux ist wesentlich modularer aufgebaut als das weitgehend monolithische Windows, weswegen es sich einfacher darstellt, das System durch simples Deaktivieren nicht essentieller Daemons ein gutes Stück sicherer zu machen. Solche Dienste lassen sich mittels sogenannter Initscripts verwalten (bei manchen Distributionen gibt es auch graphische Tools, die einem die dabei Handarbeit abnehmen, so etwas nennt sich meistens Runlevel-Editor), die sich im Verzeichnis "/etc/init.d/" befinden. Eine Auflistung der darin enthaltenen Dateien verschafft einen ungefähren Überblick darüber, welche Daemons auf einem System installiert, und ggf. start/stoppbar sind. Ein Initscript lässt sich nur durch im Kontext des privilegierten Nutzers root starten oder stoppen, und zwar durch die Angabe des vollen Pfadnamens, und einem Schlüsselwort als Argument, das dem Script mitteilt, was man von ihm erwartet. Beschließt man zum Beispiel, den Server für sicheres Einloggen auf einer entfernten Shell (kurz: SSH, Secure SHell), sshd, zu beenden, funktioniert dies bei LSB-konformen Distributionen mittles "/etc/init.d/sshd stop". Will man den Daemon danach wieder starten, funktioniert dies mit /etc/init.d/ssh start. Neben "start" und "stop" gibt es bei allen Initscripts noch die Schlüsselwörter "zap", das den Status des Daemons forciert auf gestoppt zurücksetzt, was Reibereien im Falle des Absturzes eines Daemons bei seinem Neustarten lösen kann, und "restart", dessen Bedeutung eigentlich selbsterklärend sein sollte.
Eine Änderung am Status eines Initscripts ist immer nur bis zum Ändern des Runlevels des Systems gültig, im Falle der meisten User entspricht dies dem Rebooten oder Herunterfahren des Systems - danach gelten wieder die Werte, der entsprechenden Runlevel-Definition des Systems angeben sind. Natürlich kann man auch diese selbst bestimmen, was allerdings ziemlich Distributionsspezifisch - und damit hier nicht wirklich behandelbar - ist.
Bearbeitet von COLOSSUS am 01.07.2009, 10:21 (Linuxfibel-Link korrigiert.)

bluefoxx

Legend

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meine resonanz hast du! :D mach weiter :)

BigJuri

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thumbsup
Jede Menge positiver Resonanz auch von meiner Seite. :D Ich werde in der nächsten Zeit versuchen mit meinen erbärmlichen Kenntnissen ein bisschen was zu deiner FAQ beizutragen. ;)

Fuchs

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jo jede Menge positiver Resonanz auch meinerseits, bin grade dabei meinen alten PC mit Linux auszustatten und weiß nicht so recht was ich da brauche usw.

also weiter so!
:thumbsup:
5/5

:eek: :kiss: :D

@ Vorschläge

hab mir jetzt noch nicht alles durchgelesen, aber ein paar Zeilen für was welches Linux gut ist und was wo Vorteile hat usw. wär mal was echt feines, tia

dio

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Wichtig ist, dass die Leute nicht nur Linux verwenden wollen, weil es vielleicht "cool" ist bzw. ähnliche "leet"-Gefühle verstärkt. ICH verwende Linux, weil ich gerne Kontrolle über mein System habe, Opensource sehr schätze und sowieso täglich damit konfrontiert werde.

Das heißt nicht unbedingt, dass ich Windows / Microsoft Produkte hasse, im Gegenteil. Wenn ich aber die Wahl habe, zwischen einem Windows oder einem Linux Server, müsste ich nicht lange überlegen.
EDIT: Was natürlich auch auf den Verwendungszweck ankommt :).
Bearbeitet von dio am 23.10.2004, 00:28

boogeyman

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*thumbsup*

ich würd mich freuen wenn du die FAQ noch erweiterst, bin ja auch grad am anfangen mit linux, da freut man sich immer über sowas.

moidaschl

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mach weiter please :D und meld dich gleich als pate für mich an.. aber ich nerv dich sowieso :rolleyes: :D

Brunnman

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und deswegen bekommt da COLO immer pm's von mir, wenn ich mich wo nüsse auskenn ;)

*thumbsup*

daisho

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Damn :eek: So eine Zusammenfassung hätte ich auch gerne gehabt...

:thumbsup:

COLOSSUS

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Gab in den letzten Tagen ein paar massive Updates. Wenn jemand noch Vorschläge hat, was man noch (besser) covern könnte, bitte posten! (1. zum Beispiel halte ich für Verbesserungswürdig, allerdings weiß ich nicht, WAS fehlt ;))

Auch wenn jemand Typos/Orthographieschnitzer findet, entweder per PM oder Posting hier darauf aufmerksam machen.

Danke für jede Art hilfreicher Resonanz und/oder Kritik :)

vEspertine

offline..
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Zitat von dio
Wichtig ist, dass die Leute nicht nur Linux verwenden wollen, weil es vielleicht "cool" ist bzw. ähnliche "leet"-Gefühle verstärkt. ICH verwende Linux, weil ich gerne Kontrolle über mein System habe, Opensource sehr schätze und sowieso täglich damit konfrontiert werde.

Das heißt nicht unbedingt, dass ich Windows / Microsoft Produkte hasse, im Gegenteil. Wenn ich aber die Wahl habe, zwischen einem Windows oder einem Linux Server, müsste ich nicht lange überlegen.
EDIT: Was natürlich auch auf den Verwendungszweck ankommt :).

ich bin vor ~4 monaten komplet auf linux (kanotix / debian) umgestiegen..

der hauptgrund für mich war der kostenfaktor.. nachdem ich mir weder eine lizenz für windows selbst, geschweige denn den ganzen tools, die ich verwendet habe leisten konnte war der schritt in richtung linux logisch..

ich verwende derzeit 2 programme, die nicht freewar/gnu/whatever sind im "evaluation-modus" (unter win warens an die 20..)

das einzige störende an linux ist IMHO die geringe auswahl an audio/video tools (fruityloops, resolume, motion dive usw usf)..

alles in allem ist man IMHO nach wenigen wochen so firm mit linux, dass man leicht alle aufgaben im SOHO bereich erledigen kann..

btw: n1 guide colo..

btw2: kennt wer ein vernünftiges wiki für linux tutorials? würde mich gerne an sowas beteiligen.. (bzw. ansonsten mit ein paar freunden ein eigenes machen)

BigJuri

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http://www.linuxwiki.de/

Leider ist die Seite derzeit gesperrt. :( (Softwarepatente)

COLOSSUS

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... updated ...

:)

NoTCPA

Little Overclocker
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Super Guide ! Weiter so.

Ach ja, typo im Vorwort, letzter Satz (kurzm).

COLOSSUS

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Zitat von NoTCPA
Super Guide ! Weiter so.

Ach ja, typo im Vorwort, letzter Satz (kurzm).

Thx, fixed :)

Ich schreibe das Guide größtenteils auf meinem Subnotebook mit 8.9"-Display, da verliert man bei der Menge an Text in einer so kleinen Textarea schon einmal den Überlick :D

Übrigens, derjenige, der diesen Thread mit "*" gerated hat, ist hiermit herzlich dazu eingeladen - nein sogar dazu aufgerufen(!) - konstruktive Kritik zu äußern, um letztendlich auch seine offensichtlich etwas gehobeneren Ansprüche zufriedenzustellen.
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