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Foxit eSlick Reader

ica 27.09.2009 23798 29
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Spätestens seit Amazons Kindle sind eBook-Reader in aller Munde. Die Anzeigegeräte bieten Platz für viele Bücher und erlauben oft auch die Wiedergabe von Musiktiteln. Wir haben ein Exemplar des Foxit eSlick Reader getestet, der sich als günstige Alternative zu den teureren Geräten zu etablieren versucht.

Spezifikation | erhältlich bei Move1

Der erste Eindruck


Der eSlick Reader stammt von Foxit, das Unternehmen hinter dem bekannten Foxit Reader - eine kostenlose Software zum Anzeigen von PDF-Dateien. Der Foxit Reader erlangte vor allem mit der langsam ladenden Version 6 des Adobe Readers seinen Ruf als schnelle Alternative. Wir werfen nun einen Blick auf den eSlick und sind gespannt, wie sich der günstige eBook-Reader schlägt. Diesmal haben gleich zwei Redakteure jeweils mehr als eine Woche mit dem eSlick verbracht und schildern uns ihre Erfahrungen. Zuerst noch schnell die Eckdaten:

  • 6" E-Ink Vizplex Graustufen-Display mit einer Auflösung von 600 × 800 Pixel
  • Samsung® S3C2440 ARM-Prozessor mit 400 MHz
  • 128 MB interner Speicher; 2 GB SD-Card (laut Hersteller werden SDHC-Karten bis zu 4GB unterstützt)
  • 2,5-mm-Klinke, Mini-USB-Port; 19 × 12 × 1 cm, 180 Gramm
  • Kopfhörer, 2,5 mm auf 3.5 mm Kopfhörer-Adapter, Ladegerät inkl. Steckeradapter, USB-Kabel
  • Unterstützte Formate: PDF, TXT, MP3
  • CD mit Foxit Reader Pro Pack, PDF Creator

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Der Reader beim Anzeigen von verschiedenen Inhalten.


Das Gerät wirkt gut verarbeitet und liegt dank des niedrigen Gewichts von 180 Gramm auch gut in der Hand. Oben rechts findet man den Power Button und auf der linken Seite ist der SD-Card-Slot eingebettet. Zudem sind hier noch vier Buttons untergebracht: je einer für Musik, Menü, Zurück und Löschen. Unten sind durch eine Gummiabdeckung geschützt Kopfhörer- und USB-Anschluss zu finden. Die rechte Seite beherbergt zwei Buttons zum Ändern der Schriftgröße und zur Lautstärkeregelung. Auf der Oberseite findet man natürlich das Display und ein D-Pad mit einem Enter-Button in der Mitte.

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Navigation im PDF


Die Buttons wirken etwas billig verarbeitet, lassen sich aber ganz gut drücken. Die Positionen der links angebrachten Knöpfe sind ohne vorherigen Blickkontakt nur schwer zu erraten. Im Hauptmenü wird am Display zwar neben jedem Button ein hilfreiches Icon angezeigt - doch sobald man ein Dokument liest, gibt es diese Icons nicht mehr. So wird es anfangs zu einem Ratespiel, welcher Button die gewünschte Aktion durchführt. Das D-Pad lässt sich gut bedienen und dient im Hauptmenü der Navigation und Auswahl. Liest man gerade ein Dokument, kann man damit scrollen und weiterblättern beziehungsweise mit dem mittleren Button ein Menü öffnen.

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An der unteren Kante verbergen sich je ein Mini-USB- und 2,5-mm-Line-Out-Anschluss.


Die Abdeckung für USB- und Kopfhörer-Buchsen ist zwar gut gemeint, stört jedoch sehr, wenn man wirklich Kopfhörer angeschlossen hat. Sie steht dann entweder nach oben oder unten weg und ist somit im Weg.
Der mit Abstand beste Teil der Hardware ist aber das 6" große E-Ink-Display das eine Auflösung von 600 × 800 Pixeln bietet. Wenn man zum ersten Mal so ein E-Ink-Display sieht, ist man auf jeden Fall beeindruckt: Blickwinkelabhängigkeit gehört der Vergangenheit an und reflektierende Displays scheinen aus dem vorigen Jahrhundert zu sein. Egal ob das Display von einem 80°-Winkel betrachtet wird oder ob die Sonne frontal darauf scheint - die E-Ink-Technologie zeigt sich davon unbeeindruckt und liefert ein perfektes Bild. Ganz als ob man eine Zeitung oder ein Magazin betrachten würde.

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Das E-Ink-Display im Halbschatten und im Vergleich mit einem Nokia 5800 bei direkter Sonneneinstrahlung.


Leider bemerkt man recht schnell, dass sich diese Technologie noch in den Kinderschuhen befindet: der Seitenaufbau dauert viel zu lange. Das stört zwar nicht beim Lesen an sich, aber sehr wohl beim Navigieren und bei der Auswahl des nächsten Dokuments oder Musiktitels. Dieses Problem ist allerdings Technologie bedingt - wie auch das Fehlen einer Hintergrundbeleuchtung. Büchern fehlt diese Funktion zwar ebenfalls, ein eBook-Reader sollte allerdings einen Mehrwert darstellen. Ebenso wäre auch die Darstellung von Farben eine wünschenswerte Erweiterung für die Zukunft.

Ganz klar zu den positiven Eigenschaften zählt die Akkulaufzeit, denn E-Ink-Displays brauchen nur zum Seitenaufbau Energie. Ist die Seite einmal dargestellt, wird der Akku nicht mehr belastet. Foxit zufolge hält der Akku bis zu 7.000 Seitenwechsel; nach unseren Tests zweifeln wir nicht an dieser Angabe. Keiner der beiden Redakteure schaffte es, im Testzeitraum den Akku zu leeren. Trotz des sparsamen Displays schaltet sich das Gerät nach einer Leerlaufzeit von etwa 5 - 10 Minuten von selbst aus. Sollte dennoch der Strom ausgehen, kann man den eSlick dank mitgelieferten Adaptern mehr oder weniger überall anschließen.

Den Datentransfer vom PC sollte man am besten über den Umweg eines Speicherkartenlesegerät erledigen. Über USB wurde im Test eine Übertragungsrate von knapp 50 KB/s erreicht - der Transfer von größeren Dokumente oder MP3-Dateien wird da schnell zur Qual. Bei der Wahl der Speicherkarte kann man auf SD- und SDHC-Karten bis 4 GB zurückgreifen. Die mitgelieferte Software Foxit Reader Pro Pack und PDF Creator konvertieren Textdokumente zu PDFs - allerdings nur auf 32-Bit Windows-PCs. Zum Glück gibt es für alle Plattformen ausreichend Freeware, um aus beliebigen Dokumenten PDF-Dateien zu machen.

Handling



Nach dem Einschalten stellt das Hauptmenü vier Menüpunkte zur Auswahl:
  • die zuletzt angesehenen Dokumente,
  • den internen Speicher,
  • die SD-Karte und
  • den Punkt Musik.
Wird ein kürzlich angesehenes Dokument gewählt, landet man auf der zuletzt gelesenen Seite. Die Punkte "SD Card" und "Main Memory" listen alle Dokumente auf, die betrachtet werden können. Im Menüpunkt "Musik" werden alle vorhandenen MP3-Dateien angezeigt.

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Das Hauptmenü


Kommen wir also zum Hauptanwendungsbereich des Foxit eSlick Readers: PDF-Dokumente lesen. Es gibt zwei Ansichts-Modi: Normal und Reflow. Im normalen Ansichtsmodus wird das PDF so angezeigt, wie es wirklich aussieht. Lediglich die Zoomstufe kann man über die beiden Tasten an der rechten Seite einstellen. Zoomen sollte man im Normal-Modus allerdings nur, wenn es unbedingt notwendig ist. Die Seitenränder werden nämlich im selben Verhältnis wie der Text vergrößert, wodurch man zu ständigem Scrollen gezwungen wird. Aber weder die lahmen Bildwechsel noch die fehlenden Scrollbalken animieren zum gezoomten Lesen.

Der Reflow-Modus schafft hier teilweise Abhilfe: Dieser Modus zeigt den Text so an, dass er das Display optimal ausfüllt. Hierbei wird nicht die Zoomstufe sondern die Schriftgröße geändert. Selbst bei zweispaltigen Dokumenten gestaltet der Reflow-Modus das Dokument so, dass man immer einen Teil einer Spalte lesen kann. Betätigt man die "nach Unten" Taste, geht man im Text weiter. Ist die Spalte der aktuellen Seite zu Ende, wird auf die nächste Spalte gewechselt. Der Modus funktioniert unter guten Voraussetzungen erstaunlich gut und man kann Dokumente komfortabel lesen. Verwirrenderweise blättert man hier mit den Richtungstasten "links" und "rechts" zwischen den Dokumentenseiten - allerdings im originalen und nicht im von Reflow veränderten Layout. Wenn man im nur die "unten"- und "oben"-Tasten verwendet, sollte man keine Probleme haben.

Dieses Video zeigt die Funktionsweise von Reflow.


Allerdings hat auch der Reflow-Modus ein schwerwiegendes Problem: Deutsch. Die getesteten englischen Dokumente funktionieren alle einwandfrei. Viele deutsche Dokumente hingegen machen Probleme: Wörter werden beim Umbruch falsch geteilt, Leerzeichen oft komplett ignoriert und stattdessen eine "Wortwurst" angezeigt.

Neben umfangreichen PDFs (Crash beim Öffnen), eingescannten Dokumenten (langwierige Seitenwechsel von 30 - 60 Sekunden) und deutscher Sprache sorgen auch Lesezeichen für wenig Freude. Sofern vorhanden, werden sie zwar erkannt, direktes Anwählen der gewünschten Seitenzahl ist aber bedeutend schneller. Letztlich funktioniert der Reflow-Modus nur bei englischen Klartext-Dokumenten einwandfrei. Auch der Normalmodus mit Zoomfunktion kann nicht überzeugen. Ohne Zoomfunktion ist aber manches schlicht zu klein, um es zu lesen. Gerade im deutschsprachigen Raum sollte man hier bald für Abhilfe durch Firmwareverbesserungen sorgen. Das Update auf Version 0818, das im Laufe unserer Tests veröffentlicht wurde, hat hier leider noch nichts verändert.


Abgesehen von der Darstellung von Dokumenten beherrscht der eSlick auch die Wiedergabe von MP3-Dateien. Die getesteten MP3s wurden alle einwandfrei erkannt und Titel, Interpret und Laufzeit aus den ID3-Tags ausgelesen. Die Navigation basiert allerdings nicht auf Tags sondern auf Dateinamen. Es können nur jeweils alle Titel im aktuellen Ordner ausgewählt werden. Während ein Titel abgespielt wird, ist es nicht möglich zu einem anderen Titel zu navigieren. Hierzu ein kleiner Tipp zur Bedienung: immer nur die besten 10 Lieder mitnehmen, die man wirklich hören möchte. Für mehr ist die Navigation viel zu langsam.

Der Sound mit eigenen In-Ear-Kopfhörern ist OK und sollte für die meisten ausreichen. Die mitgelieferten Kopfhörer wurden nicht getestet, machen aber keinen wertigen oder einladenden Eindruck. Der Musik-Button auf der linken Seite funktioniert leider nur im Hauptmenü und geht dort zum Ordner des letzten Titels. Die Buttons auf der rechten Seite regeln die Lautstärke ebenfalls nur im Musikmenü. Sonst variiert man mit ihnen den Zoomfaktor.

Fazit


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Im Fazit möchten wir die beiden Testern ica und HaBa getrennt zu Wort kommen lassen:

icas Impressionen
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass E-Ink-Displays definitiv die Zukunft gehört. Auch das in diesem Gerät verbaute Display kann mit totaler Blickwinkelunabhängigkeit und Immunität gegen Sonneneinstrahlung überzeugen. Der langsame Seitenaufbau und die generell etwas träge Firmware hinterlassen allerdings einen gemischten Eindruck. Hinzu kommen die Probleme mit deutschsprachigen Dokumenten und die teils unlogische Bedienung. So faszinierend die Technologie auch ist, würde ich nach wie vor ein herkömmliches Buch jederzeit dem Foxit eSlick Reader vorziehen. Und selbst wenn die Firmware noch verbessert wird, kann ich keine wirkliche Empfehlung aussprechen - dafür ist das Display einfach zu langsam.

Liest man aber hauptsächlich Romane und verzichtet auf das Navigieren durch Lesezeichen, kann das Gerät durchaus Freude machen. Vor allem im Urlaub kann man so das eine oder andere Kilo an Gepäck sparen und der Lesespaß wird auch am Strand in der prallen Sonne nicht zu kurz kommen. Die nächsten Generationen dieser eBook-Reader sind definitiv einen Blick wert und werden früher oder später eine ernstzunehmende Alternative zu herkömmlichen Büchern darstellen.

HaBas Fazit
Das Display ist für den Einsatzzweck wirklich toll. Das Drumherum hingegen ist noch stark verbesserungswürdig, aber durch Firmwareupdates sicherlich in den Griff zu bekommen. Wer Bücher lesen will, die im Klartext vorliegen, bekommt ein brauchbares Gerät. Der eSlick wirkt umso brauchbarer, wenn man bedenkt, dass es sich um die erste Generation derartiger Geräte handelt. Ich persönlich würde allerdings ein größeres Display bevorzugen, um weniger blättern zu müssen. Das ist allerdings Geschmackssache und wohl auch vom Einsatzzweck abhängig. Vor allem wenn ich an lange Flugreisen denke, werde ich in Zukunft nicht ohne so ein Gerät auskommen. Die deutliche Platzersparnis von 1 cm Dicke und 180 Gramm Gewicht gegenüber 32 cm und 3 Kilogramm sprechen eine eindeutige Sprache.


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Der getestete Foxit eSlick Reader wurde uns freundlicherweise von Move1 zur Verfügung gestellt. Dort kann er auch für 249 Euro erworben werden.
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