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Overclocking Tagebuch: Teil 1

mat 05.05.2007 18024 32
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All I need is the air, that I breathe…

18:00: Oben besagtes Lied will mir nicht aus dem Kopf gehen. Vielleicht beschließe ich deshalb heute zum wiederholten Male, unser Testsystem zu aktivieren, um erneut nach einem Rekord zu schnappen. Gleichzeitig kommt mir die Idee, ein Tagebuch zu dieser Thematik zu verfassen, um auf diese Weise eine Mischung aus Kolumne und Tutorial zu erschaffen. Gesagt getan – die ersten Zeilen sind hiermit sogar schon entstanden.

19:15: Das Testsystem ist mobilisiert und zum Einsatz bereit. Als CPU muss ein Core2Duo E6600 hinhalten, meiner Meinung nach momentan die CPU mit dem besten Preis/Leistungsverhältnis – wie für gutes altes Overclocking geschaffen, aus niedrigem Preis das Maximum herausholen. Gemeinsam mit einem Paar Corsair DDR2 1066 Mhz Speicher sitzt sie auf einem Asus P5N32-E SLI Mainboard, ebenfalls die Sparvariante für Overclocker, ein Asus Striker würde mir das Herz brechen, würde ich es in meinen Händen durch eine Dummheit entwerten. Apropos Dummheit: bevor ich vergesse, die verwendeten Grafikkarten zu erwähnen, tue ich es lieber sofort. Zwei 8800 GTX von Foxconn werden uns im SLI-Verbund begleiten. - man gönnt sich ja sonst nichts.

19:30: Ich überlege, das Tagebuch mit Luftkühlung zu beginnen und in weiteren Episoden ebenfalls Wasserkühlung sowie unseren Kompressor anzuwenden. Bei Ersterem werden wir noch kaum Modifikationen an unserer Hardware durchführen müssen, da wir nicht einmal annähernd an die Spannungsgrenzen des Mainboards stoßen werden. Bevor ich wirklich beginne, überrede ich mich selbst dazu, den ersten Teil nicht zu fortgeschritten zu gestalten – mit Overclocking sollte man sich allerdings schon einmal befasst haben.

19:31: Ich setze hiermit fest, dass jeder für seine PC-Komponenten und deren Verwendung selbst verantwortlich ist. Zur Sicherheit erwähne ich nur Spannungen, die ich mit dem Multimeter am Mainboard direkt abgemessen habe. Diese entsprechen nicht den im BIOS gesetzten Werten, die erfahrungsgemäß immer höher sind. Das P5N32-E SLI legt ungefähr 0,08V weniger an die CPU an, als es verspricht. Das ist natürlich auch von der BIOS Version abhängig.

19:35: Ich montiere einen Noctua NH-U12F, neben dem Scythe Infinity das Topmodell auf dem Lüftkühlungssektor. Das Wichtigste bei der Montage ist wohl das Auftragen der Wärmeleitpaste. Verabreicht man zuviel, wirkt die Paste mehr wie ein Hitzeschild anstatt diese in den Kühlkörper abzuleiten - benutzt man jedoch zu wenig, entstehen Luftlöcher, die noch unvorteilhafter wirken. Es ist eben eine kleine Kunst, hier alles richtig zu machen, wobei die oft sehr krummen Heatspreader der CPUs das gleichmäßige Verteilen der Wärmeleitpaste keinesfalls leichter gestalten.

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19:55: Der Kühlkörper ist ordentlich montiert, und ich beschließe, dem Kühlkörper gleich zwei 120mm Lüfter aufzuschnallen. Von Lüftern kann man sowieso nie genug haben, auch wenn man, so wie in meinem Fall, überhaupt kein Gehäuse benutzt. Ich verkable noch schnell das Netzteil und schalte euphorisch ein, um durchzutesten, ob die CPU auch schön kühl bleibt. Doch ein lauter, durchgehender Piepston, vielleicht auch eher als Quietschen vernehmbar, verhindert jede Vorfreude. „Argln“ - wieder einmal vergessen, die zweite Grafikkarte mit Strom zu versorgen. Passiert mir hie und da, genauso wie das pflichtmäßige Anstecken des vier bzw. achtpoligen CPU-Stromsteckers. Notiz an mich selbst: Zuerst Gehirn einschalten, dann erst den Computer.

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20:00: Alles läuft fein, ich beginne mein Overclocking erstmal damit, dass ich jegliche Daten, wie zum Beispiel Temperatur und Benchmarks bei Standardtakt messe, um später einen Vergleich zu haben.

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20:20: Ich befinde mich im BIOS, es kann also losgehen. Jede mögliche Spread Spectrum-Einstellung muss deaktiviert werden, wobei sich Stromsparfunktionen oder thermische Sicherheitsvorkehrungen klarerweise ebenso verabschieden sollten. Wer sein Setup noch nicht kennt, der sollte zuerst einen Blick auf die Spannungen oder auf vorgegebene Gerätespezifikationen werfen, um jegliche automatische Einstellungen zu manuellen konvertieren zu können. Mit der Zeit lernt man sein System kennen, weiß, welche Spannungen ca. bei welcher Taktrate verwendbar sind. Dennoch: mitschreiben ist nicht verboten und hilft oftmals beim Auffinden der richtigen Kombination zwischen Takt und Spannung - sei es CPU oder Speicher.

20:30: Ich bin vom Standardtakt der CPU schon ein wenig entfernt und taste mich weiter vor. Der Speicher bleibt unberührt, das hilft dabei, sich selbst nicht zu verwirren. Schließlich will niemand raten, ob die CPU mehr Spannung fordert oder der Speicher vielleicht schon an seine Grenzen gelangt ist. Mein Stabilitätstest ist momentan immer noch ein funktionierendes BIOS, ob das Booten in Windows funktioniert, weiß ich nicht. Darum kümmere ich mich später. Vorerst einmal den höchsten CPU-Takt herausfinden, der den Computer gerade noch zum Leben erweckt.

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Northbridge rösting
20:50: Ich bin bei ungefähr 3,9 Ghz angelangt – viel mehr VCore als 1,57V will ich nicht mehr setzen, da die CPU jetzt schon sehr heiß wird. 68° C im BIOS sind ohnehin nicht mehr für ein lauffähiges Windows geeignet. Nebenbei gesagt: eine saubere Windowsinstallation schadet beim Overclocken nicht. Bei nahezu instabilen Taktraten möchten wir nicht unbedingt auch noch einen Instant Messenger laden müssen. Auch Updates sollten nicht plötzlich auftreten, am besten man entledigt sich überhaupt allen unnützen Diensten.

Zurück zu unseren 68° C - hier beginnt die Luftkühlung ganz deutlich zu stottern, die Wärme kann nicht genügend in den Kühlkörper abgeleitet werden. Zeit, um zu überprüfen, ob ich es schon beim Auftragen der Wärmeleitpaste vermasselt habe. Also, Kühler abnehmen und CPU sowie Kühler von der schmierigen Paste befreien. Die Hauptarbeit übernimmt dabei mein „Universalreiniger für Elektronik“.

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20:52: Ich trage zwar jetzt ein wenig mehr Wärmeleitpaste als zuvor auf, aber trotzdem gerade mal deckend. Nicht vergessen: die Hände sollten bei dieser Arbeit keinesfalls fettig sein. Jede Verunreinigung kann hier nämlich die Kühlleistung senken. Auch Hunde sollte man möglichst fernhalten, Haare brauchen wir schon gar nicht!

21:10: Alles wieder montiert, der erste Test zeigt keine unmittelbare Verbesserung. Schade eigentlich, ich wollte SuperPI, 1M auf über 4 Ghz absolvieren. Ich bin leicht frustriert.

21:20: Mir kommt die grandiose Idee, die Raumtemperatur zu senken… aber wenn, dann gleich richtig. Deshalb nehme ich das Testsystem und stelle es in meinen sperrangelweit geöffneten Wintergarten – es soll da drinnen ordentlich durchziehen! Luftkühlung ist schließlich immer nur so gut wie die aktuelle Raumtemperatur – in diesem Fall wären das 11° C.

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Der Wintergarten
21:30: Ich hatte Recht! Ich bin über 4 Ghz gelangt und spiele mich etwas, um ein erstes Ergebnis von SuperPI zu bekommen. Da ein wenig mehr VCore und dort auch ein wenig Spannung für die Northbridge zusätzlich. Jetzt gilt es, genügend Spannung anzulegen, um Rechenfehlern, die sich oftmals in Bluescreens oder irrationalen Fehlermeldungen bemerkbar machen, vorzubeugen und doch so wenig wie möglich an Hitze zu erzeugen. Ein sehr zeitaufwändiges und mühsames Unterfangen, das nicht unbedingt Erfolg haben muss.

22:10: Mittlerweile hat es in meinem Wintergarten schon auf 8° C hinuntergekühlt. Umso später es wird, desto mehr VCore werde ich geben können. Freude kommt auf!

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22:30: Ich habe den „Sweet Spot“ meiner CPU gefunden! Mit 4045 Mhz werden eine Million Stellen von PI in 12,76 Sekunden errechnet. Nicht übel! Ich beginne jetzt damit, den Speichertakt zu erhöhen. Die Timings werde ich anfangs nicht verändern, mehr Frontsidebus scheint für SuperPI ohnehin einen besseren Effekt zu haben.

23:00: Langsam komme ich zu einem stabilen Ergebnis. Durch den RAM-Teiler kann ein höherer FSB nur sehr sprunghaft probiert werden, deshalb findet sich schnell eine Grenze. Die Northbridge bekommt jetzt auch mehr Takt, wobei mehr als 1,8V nicht nötig ist. Außerdem wird diese trotz eigens platziertem Lüfter doch noch sehr heiß. Mit Wasserkühlung könnte man dieses Manko wettmachen.

23:20: Ein Jubiläum: zum zehnten Mal das CMOS per Jumper zurückgesetzt. Wer beim Speicher übertreibt, der springt schnell einmal ins kalte Wasser. Da hilft auch keine Superultra-BIOS-Protection für fehlgeschlagene Overclocks aus. Gott sei Dank hab ich mitgeschrieben und kann auf diese Weise problemlos wieder bei meinen letzten ertragreichen Werten ansetzen. Nichtsdestotrotz ein Geduldspiel…

23:40: Ein Glücksgefühl überkommt mich. Bei 1308 Mhz FSB und den Timings 5-5-5-15 2T kann ich einen Rekord verbuchen! 12,641 Sekunden werden am Bildschirm angezeigt. Schnell einen Screenshot sichern und dann den Freudentanz ausführen. Für Luftkühlung ist das meiner Meinung nach ein sehr gutes Ergebnis, auch wenn man den Wintergartentrick als kleine Schummelei bezeichnen könnte. Nach diesem Erfolg will ich mir natürlich keine Pause gönnen und füttere meine GTX mit 3DMark 2006.

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0:30: Selbstverständlich war bei 4 Ghz nicht viel zu machen, ich bin ja fernab von einem stabilen Rechner. Frustriert kämpfe ich mich den mühsamen Weg, den ich nach oben gehen musste, jetzt wieder vorsichtig zurück. Bloß kein Megahertz verschenken!

1:15: Ich bin bei 3825 Mhz CPU-Takt und 1250 Mhz für den Speicher angelangt. 3DMark ist gerade eben zum ersten Mal stabil durchgelaufen: 16264 Punkte. Nun geht es weiter mit den Grafikkarten, mal sehen wie hoch ich diese raufschrauben kann.

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Ganz nebenbei: ich mach mir langsam Sorgen um meine Komponenten, sie stehen jetzt schließlich schon mehrere Stunden in der Kälte. Ich überprüfe auf regelmäßiger Basis, ob Kondenswasser auffindbar ist.

1:40: ATI Tool will nicht so recht mit meinen Grafikkarten. Sobald eine Taktrate höher als der Standardtakt getestet wird, habe ich einen Reboot zu verbuchen. Auch das manuelle Setzen mit Rivatuner will nicht so richtig klappen. Kleine Änderungen sind zwar möglich, von „Overclockability“ kann jedoch keine Rede sein. Tja, es sind eben nur nVidia Referenzkarten – hier wird man um eine Modifizierung wohl nicht herumkommen. Für heute ist es aber genug, die 4 Ghz-Marke wurde überschritten, das sollte vorerst reichen.

Wie bereits oben erwähnt, werde ich bei meinem nächsten Tagebucheintrag höherwertige Kühlungslösungen einsetzen und die Latte noch ein wenig höher legen - sowohl bei der CPU, als auch bei den Grafikkarten. Bis dahin wünsche ich euch viel Glück bei euren eigenen Versuchen!

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