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Overclocking Tagebuch: Teil 2

mat 14.12.2007 16734 8
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„Die Knetresultate können je nach Knetfertigkeit Ihres Kindes variieren!“

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15:40: Weihnachten steht ins Haus, die Kälte lähmt unser Land und peinigt seine Bewohner und in unserer Redaktion riecht es nach frisch gebackenen Keksen. Was würde zu dieser Atmosphäre besser passen als ein Kompressorkühler und jede Menge neue Hardware.

15:45: Als CPU dient uns wieder ein Core2Duo E6600, der viel zu erzählen hätte, könnte er sprechen. Wie schon erwähnt wird die Kühlung diesmal ein Kompressor der Marke Asetek, genauer gesagt eine gemoddete Vapochill LS übernehmen. So kann man Intels Prachtexemplar weit unter -50° C halten - vorausgesetzt, ich mache meinen Job richtig.

Nun gut, weiter mit den restlichen Komponenten: Ebenfalls dabei sind zwei Riegel feinster Corsair Dominator, die eine Taktrate von bis zu 1142 MHz versprechen, sowie zwei HD 2900 XT aus dem Hause AMD/ATI. Wahrscheinlich um mir selbst etwas zu beweisen, muss auch ein Mainboard mit dem Intel P35 Chipsatz her. Wie wäre es mit dem Asus P5K Deluxe?

16:30: „Gleich nach den Plüschtieren, links im Regal“ - Ich befolge die Richtungsangabe der Toys’r’us Angestellten, weil ich auf der Suche nach Knetmasse bin. Diese möchte ich zur Dichtung des Mainboards verwenden, damit meine kostbaren Komponenten im Falle von Kondenswasserbildung nicht tödlich verunglücken.

16:31: Gefunden! Da die Barbieknetmasse deutlich teurer ist, greife ich lieber zu normalem „Play-Doh“. Etwas verwundert entdecke ich einen Vermerk auf der Packung: „Die Knetresultate können je nach Knetfertigkeit Ihres Kindes variieren!“. Mit einem verschmitzten Lächeln manövriere ich durch die hochschwangeren Frauen um die Kassa zu erreichen&helip;

17:04: Ich überprüfe lieber, ob die Knetmasse leitend ist - der Widerstandstest auf meinem Multimeter hilft mir dabei.

17:05: Wie ärgerlich! Scheinbar befindet sich ein leitfähiges Öl in der Knetmasse. Daher muss ich das Mainboard zuvor mit einem Klebeband abdecken, um mit der Abdichtung des Sockels beginnen zu können. Übrigens bin ich hier ein großer Fan von Gewebeband. So nebenbei gesagt: Müsste ich meine menschliche Form aufgeben, wäre ich gerne ein solches.

17:19: Erster Bootvorgang mit dem Kompressor. Dabei wird dieser zuerst eingeschaltet, um in Sachen Temperatur auf das nötige Level zu kommen – bei ungefähr -20° C bekommt auch unser Mainboard Strom.

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Das Testsystem wie es leibt und lebt!


17:20: Bootvorgang erfolglos! Der Bildschirm bleibt schwarz, kein Piepsen zu hören. Ich kontrolliere mit voller Konzentration noch einmal alle Steckverbindungen. Vor lauter Vorfreude kann man schon einmal den einen oder anderen Stromanschluss vergessen.

17:24: Nichts, nada, niente – ich kann keinen Fehler finden. Ich tippe gleich mal auf ein Speicherproblem, das bei neuen Asus Mainboards schon öfters aufgetaucht ist. Daher stecke ich nur einen einzigen Speicherbaustein in den dritten RAM-Slot und versuche erneut zu booten. Jetzt hilft nur beten.

17:26: Leider konnte dieser Trick keine Lösung bescheren, weshalb hier die doch recht anstrengende Internetrecherche beginnt. Einschlägige Foren und diverse Anläufe bei Google bringen die Information ans Tageslicht, dass das Mainboard angeblich nur mit DDR2 800 MHz Speichern lauffähig ist. Zumindest wenn sich noch die anfängliche BIOS-Version 0123 darauf befindet. Natürlich habe ich keine Speichersteine dieser Art im Testlabor rum liegen, weshalb ich mich wiederholt aus dem Haus begebe, um den Hardwarehändler meines Vertrauens mit meinem Anliegen zu beglücken.

18:26: Beim Service meines Hardwarehändlers wurde der passende 800er Speicherstein in das Mainboard gesetzt und die - seltsamerweise nur beim allerersten Bootvorgang - auftretenden Probleme gebannt. Jetzt funktionieren auch ein Paar Corsair PC2 8500CL5, die übrigens ebenfalls auf der QVL, der Qualified Vendor List für kompatible Speicher verzeichnet sind. Trotz der gefundenen Lösung ist meine Stimmung aufgrund dieser Unzumutbarkeiten getrübt.

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Wäre ich mutig genug gewesen, dann hätte ich das Mainboard wirklich erschossen!


18:43: Mittlerweile habe ich alle Komponenten wieder auf das Mainboard gesetzt und einen erfolgreichen Bootvorgang hinter mich gebracht. Ich aktualisiere gleich das BIOS und hoffe, mit der Versionsnummer 0311 glücklicher zu werden.

18:49: Ich will Windows installieren, doch das Testsystem wehrt sich. Außerdem sind auch ungewohnte Geräusche von der Hauptplatine hörbar, die schließlich mit ausströmendem Rauch effektvoll enden - „Juhu!“.

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Riecht so wie es aussieht!
19:02: Ich montiere alles ab und kontrolliere das Mainboard nach angeschmorten Stellen. Ich werde unterhalb der Backplate fündig, die das Gegenstück zu den Stützen der Kompressorkühlung bildet. Die Originalplatte, welche aus einem Stück Blech (bitte mich nicht bestrafen, falls es irgendeine metallische Legierung sein sollte) und aufgeklebtem Schaumgummi besteht, wurde zu stark an die Lötspitzen auf der Rückseite des P5K Deluxe gedrückt, sodass diese einen Kurzschluss erzeugten. Betroffen war nur ein kleiner Transistor, der zwar ein wenig von seinem Lötzinn einbüßen musste, jedoch immer noch unter den Lebenden verweilt.

19:05: Ich baue mir eine eigene Backplate, um diesem Problem aus dem Weg zu gehen. Zwei Schichten hartes Plastik und eine weitere Schicht Schaumstoff trage ich gemeinsam mit meinem geliebten Gewebeband auf die Blechplatte auf. Bloß die Eigenkonstruktion nicht allzu dick machen, sonst kann die Platte nicht mehr bzw. nur mühsam auf das Mainboard geschraubt werden.

19:28: Neue Backplate, neues Glück. Das Mainboard bootet trotz der beschriebenen Erlebnisse immer noch! Gut für uns, denn jetzt kann es endlich zum Overclocken kommen! Also, ab ins BIOS und den üblichen Kampf beginnen: Vcore rauf, Takt erhöhen und Stabilität überprüfen. Immer und immer wieder – die Kompressorkühlung sorgt dabei für gemütliche Temperaturen jenseits des Nullpunkts und lässt jede Spannung bis zu 1,89V ohne Probleme auswählen.

22:01: Das Testsystem befindet sich zwar mit über 4,5 GHz in unserem schlanken Windows XP, doch ist es unfähig, irgendeinen Benchmark stabil auszuführen. Entweder stößt hier die CPU an ihre Grenzen, auch wenn ich bis dato zufrieden mit ihr war, oder es muss um einiges mehr Spannung her. Zweiteres würde einen Voltmod benötigen, bei dem ein Widerstand - im besten Fall ein regelbarer - auf spezielle Leiterbahnen aufgelötet wird, um permanent die Vcore zu erhöhen. Dies ist übrigens für jede nützliche Spannung auf dem Mainboard möglich, zum Beispiel auch für die Northbridge oder den Speicher. Doch das ist eine andere Geschichte, mit der wir uns in Zukunft noch näher befassen werden.

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Der Kompressor weint
22:23: Obwohl ich versucht habe, meine Kühlung so gut wie möglich zu isolieren, entsteht sichtlich Kondenswasser. Dieses sollte auf alle Fälle entfernt werden, auch wenn es - so wie in meinem Fall - nur auf der oberen Seite des Kühlkopfes aufgetreten ist.

22:49: Schnell die Finger kreuzen und sich etwas wünschen! Bei 4444 MHz liegt endlich ein SuperPI-Ergebnis vor: 11,562 Sekunden! Mein Speicher lässt sich leider nicht so gut takten, wie es bei meinem letzten Tagebucheintrag möglich war. Das kann auch daran liegen, dass wir mit dem CPU-Takt höher liegen. In Kombination tut sich der Speicher meist schwerer. Ich finde mich damit ab, denn die Zeit ist ohne zusätzliche Lötarbeit nicht übel.

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In unserer nächsten Ausgabe werden wir neben dem Kompressor auch eine Wasserkühlung einsetzen. Außerdem muss endlich ein Quad-Core daran glauben, mal sehen was sich auftreiben lässt. Bis dahin wünsche ich euch viel Spaß bei euren Versuchen.
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