"Christmas - the time to fix the computers of your loved ones" « Lord Wyrm

Xiaomi Mi Max Pro im Langzeittest

Joe_the_tulip 11.09.2016 20778 0
xiaomi-mi-max-langzeittest-review_216898.jpg
Was hast du denn da für ein Riesenteil? Wer diese Frage möglichst oft beantworten möchte, sollte sich dringend ein Xiaomi Mi Max zulegen. Mit einem 6,44-Zoll-Display gehört es zu den Größten der Großen unter den Phablets. Die Außenmaße können sich mit 173x88x7,5 mm eindeutig sehen lassen - das ist allerdings gar nicht so viel größer als das Galaxy Note 1 oder ein Nexus 6. Entscheidend für die gefühlte Größe ist die Breite, hier zählt jeder Millimeter, auch bei Männerhänden. Wir schauen uns in diesem Langzeittest genau an, worauf es noch ankommt.

Dieser Test zeigt das Mi Max Pro mit 3 GB/64 GB, Codename: helium. Kaufen müsst ihr das chinesische Smartphone in China bzw. bei darauf spezialisierten Shops wie Tradingshenzhen. Der Preis liegt derzeit zwischen 250 und 300 Euro exklusive Versandkosten sowie etwaige Einfuhrumsatzsteuer und Zoll.

Gehäuse



Das stabile Gehäuse besteht an der Rückseite großteils aus Metall, oben und unten kommt Kunststoff zum Einsatz. Die Rückseite ist leider eher rutschig und erschwert einhändigen Betrieb. Hier sitzt unter der 16MP-Kamera mit Dual-LED-Blitz auch der Fingerabdruckscanner. Neben einem gewöhnlichen MicroUSB-Port sind an der Unterseite Lautsprecher zu finden. An der Oberseite ist der IR-Blaster und der Kopfhörerausgang. An der Front befindet sich die 5MP-Kamera und unten drei kapazitive Buttons; der linke und rechte Button sind gegenüber der etwa bei Motorola typischen Anordnung vertauscht - rechts ist “Zurück”.

Hardware, Features, Kamera



Beim von uns getesteten Modell handelt es sich um das Zweitbeste der Reihe; also jenes mit 3 GB an Arbeitsspeicher, 64 GB Flash-Speicher und einem Snapdragon 652 (mit zwei zusätzlichen Kernen gegenüber den günstigeren Non-Pro Modellen). Der Bildschirm hat in allen Modellen ein 6,44-Zoll-IPS-Panel mit FullHD-Auflösung, sehr guter maximaler Helligkeit und gutem Kontrastverhältnis. Hochkant können auch die Blickwinkel überzeugen, im Landscape-Modus lässt sich bei sehr schräger Ansicht ein Kontrastabfall provozieren. Die Lautsprecher arbeiten ordentlich, insbesondere die maximale Lautstärke überzeugt. Gleiches gilt auch für die Wiedergabe via Kopfhörer. Die aktivierbaren "Audio Enhancements" haben wir abgesehen vom kurzen Ausprobieren außen vor gelassen, die Equalizer-Einstellungen inklusive Profilen könnten bei der Verwendung entsprechender Kopfhörer wie etwa der hauseigenen von Xiaomi von Vorteil sein.


Neben dem Fingerabdruckscanner hat das Gerät auch noch einen IR-Blaster um etwaige Fernseher oder Abspielgeräte zu bedienen. Aufgrund der Größe des Phablets eignet sich die/eine richtige Fernbedienung für gewöhnlich aber deutlich besser für die Bedienung des entsprechenden Gerätes. Der Fingerabdruckscanner verringert klaglos seinen Job und ist gut platziert. Bei einhändigem Betrieb entsperrt man das Gerät mit wenig Übung bereits beim In-die-Hand-nehmen. Als Feature im weiteren Sinne könnte man auch den kombinierten MicroSD/NanoSIM Slot bezeichnen, der alternativ eine 2.SIM beherbergt.

Loben muss man den Mobilfunkbetrieb. Das Xiaomi Mi Max baut schnell und zuverlässig eine Verbindung auf - egal ob per 2G, 3G, 4G oder WLAN mit 2,4 oder 5GHz. Sprachtelefonie ist ebenfalls laut und deutlich; der Phone-Teil des Phablets ist also zweckmäßig. Mit LTE verbindet sich das Phablet ebenfalls problemlos, allerdings fehlt wie üblich das u.a. in ländlichen Regionen wichtige Band 20. Den 2.SIM-Slot haben wir nicht getestet; er kann auf Wunsch ebenfalls mittels LTE Verbindung aufnehmen.



Die Frontkamera macht ordentliche Selfies, auf Wunsch mit automatischer Erkennung von Alter und Geschlecht - mehr als ein Partygag ist das natürlich nicht. Die Hauptkamera an der Rückseite ist nicht ganz auf High-End-Niveau, speziell im Dunkeln kann auch der helle LED-Blitz nichts mehr ausrichten. Untertags sind die Aufnahmen ordentlich, auch wenn aktuelle High-End-Geräte spürbar bessere Fotos schießen können.

Software



MIUI 8 macht einiges anders als ein Stock-Android. Unter anderem gibt es keinen App-Drawer, dafür sind die Steuerungsoptionen für Hardware und Software, Akkumanagement und Protokolle sehr umfangreich. Ob man so viele Optionen braucht, überlassen wir euch. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase macht sich MIUI im Alltag jedenfalls genauso gut wie unverändertes Android.

Im Betrieb ist MIUI 8 am Xiaomi Mi Max überaus flüssig, auch wenn zahlreiche Apps im Hintergrund laufen. Das liegt wohl zum Teil auch am aggressiven Speichermanagement. Wer bei ausgeschaltetem Bildschirm Musik hören möchte, sollte zuerst eine Ausnahme für die gewünschte App - in unserem Fall Spotify - definieren, da die App sonst nach wenigen Minuten angehalten wird. Ein Vorteil des großen Bildschirms: Selbst im "Übersichtsmodus" kann man in den parallel geöffneten Apps relativ problemlos Inhalte lesen und vergleichen.

11 Bilder

Akkulaufzeit



Als letztes kommen wir neben der gewaltigen Größe zum Party-Piece des Mi Max: ein Akku mit 4850 mAh. Das reicht für 3 Tage (von 7h am ersten bis 24h am 3.Tag) mit über 5h Screentime, durchgehend LTE, WLAN und diversen Apps. Wenn man mehrere Stunden per GPS navigiert und das Handy dabei per Bluetooth Musik streamt, schafft man immer noch spielend 2 Tage. Das sind exzellente Messwerte und zwischen 50 und 100% mehr als etwa ein Nexus 6 zu bieten hat.

Root-Zugriff für die Installation von alternativen Betriebssystemen



Unsere erste Handlung nach dem Auspacken des Phablets war eine Anfrage bei Xiaomi für einen Unlock-Code. Das chinesische MIUI macht es fremdsprachigen Nutzern, die den Play-Store gewohnt sind, nämlich nicht gerade einfach. Ohne Root kann man zahlreiche, rein chinesische Apps nicht entfernen. Die Installation des Play-Stores ist irgendwo zwischen mühsam, inkomplett und unmöglich. Nach einer Wartezeit von circa 10 Tagen wird die eigene IMEI von Xiaomi dann freigeschaltet, um die Unlock-App verwenden zu können. Anschließend lässt sich ein Bootloader wie TWRP installieren (mittlerweile gibt es ein eigenes TWRP für das Mi Max Pro; in unserem Fall hat aber auch die Standardversion von TWRP problemlos funktioniert). Danach kann man sich ein inoffizielles Cyanogenmod oder einen forenbetreutes MIUI 8 installieren. Wir haben uns für letztere Option entschieden.

Fazit



Bei einem Straßenpreis von etwa 250 bis 300 Euro - ohne Versandkosten und etwaiger Einfuhrumsatzsteuer und Zoll - hat das Xiaomi Mi Max viel zu bieten: einen riesigen, hellen Bildschirm, 2-3 Tage Akkulaufzeit, ein flotte Hardware und ein flüssig bedienbares Betriebssystem. Leider ist die Kamera nicht ganz State-of-the-Art und als Europäer muss nach dem Kauf noch Hand ans Betriebssystem anlegen werden. Wer sich daran nicht stößt, kann das ausgezeichnete Preis/Leistungsverhältnis in vollen Zügen genießen.

Danksagung: Wir haben unser Exemplar bei Tradingshenzhen erworben und möchten und hiermit erneut für die gute Zusammenarbeit bedanken.

Appendix: LTE-Bänder



Da es auch in unserem internen Bereich bei der Erstellung dieses Artikels zu einer Diskussion über LTE-Bänder und chinesische Smartphones kam, wollen wir auch hier noch kurz etwas dazu sagen. Oftmals fehlt nämlich bei diesen importierten Geräten das Band 20 aus lizenztechnischen Gründen. Diese LTE-Frequenz von 800 MHz wird vor allem im ländlichen Bereich, also außerhalb von Ballungszentren eingesetzt. Somit versorgt sie flächentechnisch einen recht großen Teil des Landes. In Ballungszentren dagegen kommen in Österreich die Bänder 3 und 7 zum Einsatz. Fehlt einem Smartphone nun das Band 20, steht nur 2G oder 3G zur Verfügung. Da nun allerdings die Sendemasten hierzulande mehr und mehr ausschließlich auf 4G setzen, werden die 3G-Bauteile aus Kostengründen zusehends eingespart. Somit könnte bei fehlenden LTE-Bändern das Surfen am Land in manchen Gebieten auf 2G zurückfallen und dadurch deutlich langsamer werden. Ob euch das an eurem Standort tatsächlich betrifft, könnt ihr leider nur selbst ausprobieren.

Derzeit gibt es noch keinen uns bekannten, funktionierenden "Hack", um das fehlende Band freizuschalten. Für das annähernd baugleiche Redmi Note 3 Pro gibt es inzwischen eine Version mit aktivem Band 20, am Freischalten mittels ROM wird in diversen Foren gearbeitet. Somit ist eine zeitnahe Lösung prinzipiell denkbar.
Kontakt | Unser Forum | Über overclockers.at | Impressum | Datenschutz