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Erste Reihe, fußfrei

ica 06.06.2008 36402 74
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Kompakte Unterhaltung
Popcorn Hour bietet mit dem Network Media Tank A-100 einen Full-HD-fähigen, kompakten HDD-Player zu einem erschwinglichen Preis. Mit ein paar Manipulationen läßt sich aber noch etwas mehr aus dem Gerät herausholen.

Erster Eindruck



Rund 230 Euro kostet der schlichte, von Syabas entwickelte Spieler. Der Beschreibung von Popcorn Hour nach, handelt es sich dabei um einen regelrechten Alleskönner.

Im Lieferumfang des Players, der ohne Festplatte gehandelt wird, befinden sich eine Fernbedienung, ein Netzteil sowie ein HDMI-Kabel. Auf der Rückseite finden sind Anschlüsse für HDMI (1.1), S-Video, Composite, analoger Ton (2 x Cinch), sowie ein ebenfalls in Cinch ausgeführter S/PDIF-Ausgang und natürlich eine Netzwerkbuchse.

Die Fernbedienung macht zwar nicht den besten Eindruck, liegt aber auf jeden Fall im Mittelfeld und außerdem gut in der Hand. Die aufgeraute, gummierte Rückseite fühlt sich gut an, aber von der Vorderseite, die keinen edlen Eindruck erweckt, sind wir weniger begeistert.

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Für Bild und Ton sind analoge und digitale Ausgänge vorhanden. USB bietet Erweiterungsmöglichkeit.

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Das Innenleben mit und ohne optionaler Platte, sowie die gut in der Hand liegende Fernbedienung


Leider unterstützt das Gerät nur IDE-Festplatten. Andere Distributoren bieten ähnliche Geräte von Syabas an, die über SATA- und Toslink-Anschlüsse verfügen. Der Einbau der Festplatte ist relativ einfach und sollte jedem der bereits eine Icy-Box hatte bekannt sein: die vier Schrauben, die auch als Füße dienen, aufschrauben, Deckel öffnen, Festplatte anstecken, anschrauben und das Gerät wieder schließen.

In Bereitschaft verbraucht das Gerät laut Information aus diversen Foren 4 Watt. Die Festplatte wird dabei schlafen gelegt und der Spieler kehrt im Bedarfsfall blitzschnell in den normalen Betrieb zurück. Ganz ausschalten kann man den Player nicht - in unseren Augen nicht optimal. Zieht man den Stecker, beträgt die Bootzeit rund 30 Sekunden.

Solange man auf die integrierten Bittorrent- und SMB-Funktionen verzichten kann, ist es nicht notwendig eine Festplatte einzubauen. In diesem Fall ist das Gerät im Betrieb unhörbar und absolut wohnzimmertauglich.

Die Firmware ist derzeit (Juni 2008) noch lange nicht perfekt. Allerdings wird intensiv daran gearbeitet, und von Update zu Update gibt es deutliche Verbesserungen. Eine Entschuldigung sollte das, für ein bereits am Markt befindliches und immerhin über 200 Euro teures Gerät, aber nicht sein. Anscheinend hat sich diese Politik aber auch in diesem Sektor schon als Standard etabliert. Firmware-Updates sind bequem über das Menü möglich. Sie dauern etwa 5 Minuten und verliefen bisher immer ohne Probleme.

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Neben den üblichen Audio- und Videoeinstellungen können auch SMB-Shares über das Menü verwaltet werden

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Es werden alle gängigen Netzwerkprotokolle unterstützt (SMB, NFS, HTTP). Auch die Einrichtung geht relativ bequem über das Settings-Menü. Ein kleiner Nachteil ist, dass man nur fünf SMB-Shares einrichten kann. Ein etwas größere Schwäche gibt es aber dann beim Streaming: Full-HD-Filme mit höherer Bitrate ruckeln, wenn sie über SMB kommen. Laut Hersteller liegt dies am SMB-Overhead. Setzt man einen Medienserver wie das mitgelieferte MyiHome ein, gibt es diese Probleme nicht. Auch die Bufferzeit verkürzt sich wenn HTTP als Streamingprotokoll verwendet wird.

Wer seine Filme und Musik auf der internen Festplatte speichern möchte, wird keine allzu große Freude haben. Das Befüllen per FTP/SMB geht mit mickrigen 4 - 5 MB/s vonstatten. Eine Verbindung zum PC via USB wird nicht unterstützt. Mit Playern anderer Vertreiber ist das teilweise möglich.

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Freigabe auf einem Server


Im Betrieb



Wie bereits gesehen, erscheint das Menü in einem gewohnt wirkenden "Mediacenter-Blau". Das Navigieren geht grundsätzlich flott - das ändert sich allerdings deutlich, wenn man Mediashares über SMB durchforstet. Pro Bildschirmseite werden immer rund 15 Einträge angezeigt. Wenn man jetzt über diese 15 Einträge hinaus scrollt, kommt es immer zu einer Verzögerung von etwa einer halben Sekunde, bis die nächsten 15 Einträge geladen sind. Das ist etwas lästig, und ein absolut flüssiges Scrollen ist dadurch nicht möglich.

Bei der Musikwiedergabe liegen unserer Meinung nach die derzeit größten Schwächen des Geräts. Hier mangelt es an grundlegendsten Funktionen. Dabei ist nicht die Rede von Formaten, sondern von Bedienkonzepten, die man einfach von anderen Anwendungen gewohnt ist. So gibt es zum Beispiel keine Cover-Bilder, keine Playlists und auch kein Browsen der Musik während der Wiedergabe! Man kann zwar nach Interpret, Album und anderen ID3-Tags browsen, allerdings immer nur jeweils einen Song, Ordner oder ein Album auswählen. Danach wechselt das Gerät in einen "Audio-Modus", wo man sehr spärliche Informationen zum aktuellen Song, beziehungsweise eine kleine Diashow präsentiert bekommt.

Laut Hersteller wird der Audiobereich derzeit gründlich überarbeitet und sollte demnächst per Firmware-Update erneuert werden. Allerdings wurde dies schon vor einigen Wochen (April) versprochen.

Wie zu erwarten liegen die Stärken des Geräts im Videobereich. Uns ist bis dato kein Video untergekommen, das nicht abgespielt werden konnte. Sei es ein ISO, VOB, Xvid, Divx, VC1 oder MKV (H264) - SD oder Full-HD - Popcorn Hour schluckt einfach alles! Selbstverständlich kann zwischen verschiedenen Tonspuren und Untertiteln umgeschaltet werden. Auch der Abspielmodus (Fit-to-screen, Zoom, Original und so weiter) kann jederzeit geändert werden.

ISOs und DVD-Ordner können inklusive Menü wiedergegeben werden. Somit ist auch das Navigieren in DVD-Menüs kein Problem. HD-Content kann aus Kopierschutzgründen nicht inklusive Menü wiedergegeben werden. Hier muss das Video zum Beispiel als MKV extrahiert werden.

In SD-Material kann sehr flüssig mit doppelter, vierfacher und achtfacher Geschwindigkeit vor- und zurückgespult werden. Zusätzlich können mit der "Nach Rechts"- und "Nach Links"-Taste 30-Sekunden-Sprünge durchgeführt werden. Hält man die Taste länger, erhöht sich die Sprungweite um jeweils 30 Sekunden. Um noch schneller im Video voran zu kommen, kann man die Zifferntasten verwenden: Das Drücken der Taste 1 spult zu 10%, die Taste 2 zu 20% des Videos und so weiter. Das Spulen von HD-Content unterscheidet sich nur dadurch, dass nach dem Spulen eine kurze Pause entsteht, in der das Video gebuffert wird.

Die Bildqualität ist hervorragend. HD-Material wirkt einfach umwerfend gut und selbst normales SD-Material sieht auf unserem Samsung 46"-Full-HD sehr, sehr gut aus - um einiges besser als das Bild unseres DVB-S Receivers. Auch wenn man es nicht mit Sicherheit sagen kann, so scheint das SD-Material auf jeden Fall gut upgescaled zu werden.

Der Media Tank bietet von Haus aus Zugriff auf das Media-Service-Portal von Syabas. Dieses Service vereint die wichtigsten Video- und Audio-Seiten des Webs, darunter auch YouTube, in einem leicht zugänglichen Portal. Die Bedienung ist simpel, die Geschwindigkeit könnte aber etwas besser sein. Allerdings werden die meisten Daten gecached, und solange man das Gerät nicht immer ganz ausschaltet, sondern nur in den Standby-Modus versetzt, kann man sich nicht beklagen. Zusätzlich kann man auch auf beliebige Websites zugreifen. Wir empfehlen den integrierten Browser aufgrund mangelnder Fähigkeiten allerdings nicht zum Browsen gewöhnlicher Websites.

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Das integrierte Media-Service-Portal bietet einfachen Zugriff auf wichtige Websites


Erweiterbarkeit



Die augenscheinlichste Erweiterungsmöglichkeit bieten die zwei USB-Buchsen an der Vorderseite des Players. Laut Hersteller kann beispielsweise ein DVD-Laufwerk oder eine Tastatur angeschlossen werden. Angeblich soll zukünftig auch der Betreib von WiFi-Sticks möglich sein.

Derzeit sind HTTP-Medienserver der beliebteste Weg den Funktionsumfang zu erweitern. Dabei fungiert ein PC oder NAS als Quelle und der HDD-Player verwendet den integrierten Browser um das gesendete Material darzustellen. Es gibt bereits etliche dieser Server mit jeweils unterschiedlichem Funktionsumfang. Dadurch ist zum Beispiel RAR-Playback (Abspielen aus Archiven) möglich, sowie das Darstellen von IMDB-Funktionalitäten und Filmtitelbildern.

Über diverse Umwege (Telnet) können auch Applikationen direkt auf das Gerät gespielt werden. Der Vorteil dieser Erweiterungen liegt darin, dass man vom Player aus direkt (DirectFB) Remotezugriff auf Software am Server hat. Somit werden die Schwächen des langsamen HTML-Renderings umgangen und man bekommt ein sehr flüssiges arbeitendes User-Interface. Auf diesem Weg kann man zum Beispiel die Media-Center-Software GB-PVR installieren und mit dem Player fernsehen. Voraussetzung ist hier aber ein Server mit integrierter TV-Karte.

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GB-PVR - Fernsehen per Server


Fazit



Ist das rund 230 Euro teure Gerät perfekt? Nein. Sind wir damit zufrieden? Absolut. Vergleichbare Geräte sind auch zu wesentlich höheren Preisen erhältlich. Die narrensichere Bedienung und die Tatsache, dass förmlich alle Videos abgespielt werden können, machen das Gerät wesentlich wohnzimmertauglicher als vergleichbare HTPCs. Im Vergleich zu ähnlichen Produkten unterstützt der Player nur IDE-Festplatten und S/PDIF über Cinch. Eine Verbindung zum PC via USB ist leider nicht möglich, weshalb die Übertragung von Dateien zeitraubend ist.

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Analoge und digitale Ausgänge


Die Verwendung eines HTTP-Streamingservers oder selbst installierter Programme auf dem Player, vergrößern das Funktionsspektrum und können auch kleine und größere Mängel ausmerzen. Ohne Festplatte ist das Gerät praktisch unhörbar, verzichtet aber trotzdem nicht auf Caching.

Falls die derzeit noch stark unterbelichtete Musiksektion bald ein Update bekommt, gibt es von unserer Seite aus keine großen Wünsche mehr. Über den Fortschritt der Firmware kann man sich im einschlägigen Forum informieren, wo man auch Anregungen geben kann. Wir sind gespannt, ob Syabas Wort hält.
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