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In Your Face Friday #9

karlstiefel 08.04.2011 28281 42
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Musik ändert sich, Stile kommen und gehen, Interpreten werden berühmt und verschwinden in der Versenkung. Aber was YouTube mit der angeschlagenen Musikindustrie macht, ist nicht mehr schön. Wir begeben uns in die seltsame Welt der Justin Biebers und Rebecca Blacks!

Ihr hättet unseren mat neulich mal sehen müssen - ein WRACK! Komplett überarbeitet, unausgeschlafen und geistig überall, bloß nicht im Hier und Jetzt. Der Anblick war wirklich nicht einfach zu verkraften: Zwei unterschiedliche Schuhe, einer davon sichtbar um einiges zu groß und wahrscheinlich nicht sein Eigener. Den Pullover hatte er verkehrt herum an und mit der Brille am Kopf suchte er diese verzweifelt mehrere Minuten lang. Er brabbelte irgendetwas von Prozessoren und dass Intel ein Konkurrenzprodukt zu Nutella plant, bevor er im Stehen einschlief. Genau dann erinnerten mich seine durchgewühlten Haare an jemanden ... mir wollte bloß nicht einfallen an wen. Dann traf es mich wie ein Blitz – mat sieht aus wie ein unglaublich nerdiger Justin Bieber!

So lässt sich das halbwegs aushalten ...


Als ich den schlafenden mat um seine Geldbörse erleichtert hatte, machte ich mich sofort auf zu YouTube, um den direkten Vergleich zu wagen. Und da war er, der Nummer 1 Grund für das Bieber-Fieber. Der "Tschastin"! Fragt mich bitte nicht, wie ich das ausgehalten habe, aber ich bin die komplette Diskographie des 17-jährigen Kanadiers durchgegangen. Es war schrecklich. Aber dann ist mir etwas aufgefallen: Der Clip zu "Baby" hat sage und schreibe über eine halbe Milliarde views und stellt somit den Rekord für das meist gesehene Video auf YouTube auf! Das Videoportal ist zu einem massiven Bestandteil der Karriere dieser Pop-Sensation geworden.

Es wäre ja nicht das erste Mal, dass das Internet eine Band groß macht. Die Arctic Monkeys hatten bereits ausverkaufte Konzerte und einen Charts-Hit, bevor sie ein Album, geschweige denn einen Plattenvertrag hatten - Myspace sei Dank. Aber auch bereits erfolgreiche Bands setzen auf die Verbreitung ihrer Musik in der Online-Welt. Während die schottischen Rocker von Ash kein Album mehr heraus bringen, sondern nur noch Singles und EPs mit einigen wenigen Liedern zum Download anbieten, gehen Nine Inch Nails einen ganz eigenen Weg: Sie bieten ein Open Source-Album an, welches nicht nur kostenlos erhältlich ist, sondern auch sämtliche Tonspuren zum Remixen enthält. Als ob das noch nicht genug wäre, gibt es auf ihrer Webseite ein Portal, auf dem man die fertig abgewandelten Lieder hochladen, anhören und bewerten kann. Sogar Trent Reznor, Sänger der Band, hat sich selbst an einem Remix versucht.

Aber Negativbeispiele gibt es natürlich auch. Denn schlechter Musikgeschmack hat seit Neuestem einen neuen Namen: Rebecca Black. Dieser schwarze Fleck auf der Pop-Landkarte ist gerade mal 14 Jahre alt, stammt aus Anaheim, Kalifornien und wurde innerhalb kürzester Zeit zum Hass-Objekt der Internetgemeinde. Ihr zu unserer Kolumne sehr gut passender Debut-Song "Friday" wurde von der Musik-Fabrik ARK Music produziert, die ausnahmslos JEDEN für 2.000 Dollar ins Studio lässt. Die kleine Rebecca nahm so ein Stück Musikgeschichte auf, denn viele Kritiker bezeichnen das Lied als "schlechtester Song aller Zeiten". YouTube stimmt dem zu, denn das Gefällt/Gefällt-nicht-Verhältnis liegt momentan bei 227.000 zu über eine Millionen. Das Internet HASST also Rebecca Black. Aber genau dieser Hass machte die junge Sängerin ziemlich berühmt und so war ihr Name zumindest für kurze Zeit sehr präsent in den Medien. Das führte dazu, dass auch ihr Song 43.000 Mal in einer Woche via iTunes (in der Kategorie Kindermusik) heruntergeladen wurde. Die 2.000 Dollar für das Studio sollte sie also mitterweile wieder eingespielt haben.

Rebecca Black - für geistige Schäden wird keinerlei Haftung übernommen!


Aber ist YouTube mittlerweile zur Bühne des 21. Jahrhunderts mutiert und sind Talentscouts nur noch online unterwegs? Hoffentlich nicht, denn sonst waren Bieber und Black nur der Anfang. Wer Musik basierend auf deren Internet-Bewertung castet, schaufelt der Musikindustrie ihr eigenes Grab. Bei Rebecca Black ist es am besten zu sehen: Sie wird nicht gehasst, weil sie berühmt ist ... nein, sie ist berühmt, weil sie gehasst wird! Aufmerksamkeit hat sie aber auf jeden Fall. Wenn ihr mich jetzt entschuldigt, ich muss jetzt das Video, das ich von mat gemacht hab hochladen ...
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