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Prometeia Cooling System Review

jAcKz 29.07.2002 26344 57
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Mit steigenden Außentemperaturen kommen alljährlich auch Bedürfnisse nach kräftigerer Kühlung auf. Neben klassischen Peltier-Wasserkühlungs Kombinationen wurden dabei spätestens seit dem Vapochill auch Kompressorkühlungen immer populärer. Nachdem zuletzt die "EVA" als das Maß aller Dinge galt ist sich nun der dänische Hersteller Chip-Con mit seiner "Prometeia" sicher, einen neuen König zu krönen. Wir testeten den Neuling auf Her(t)z und Nieren und loteten dabei die Möglichkeiten und Grenzen des Produktes aus.

Das Prometeia Cooling System

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Prometeia
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Das System
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HDD-Käfig
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5,25"-Schienen
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Mainboardplatte
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Belüftung
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Frontansicht
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Kompressor
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Kühlung
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Der Radiator

Das Prometeia Cooling System

Anders als das Konkurrenzprodukt Vapochill ist das Prometeia Cooling System nicht als Verbindung von Gehäuse und Kühlaggregat konzipiert sondern, so der Hersteller, eher der EVA ähnlich, nur mit einem passenden, einfach abnehmbaren Gehäuse versehen: auf dem unteren Kompressorraum sitzt ein verhältnismäßig unauffälliger Midi-Tower, der über einige nützliche Features wie beispielsweise einen einfach herausnehmbaren Plattenkäfig, ein Schienensystem für die 5,25" Laufwerke sowie einen vormontierten 80mm Lüfter verfügt, ein zweiter kann jederzeit in der Front angebracht werden. Gerde für Bastler nützlich ist auch die abnehmbare Motherboardplatte, die diverse Umbauarbeiten zweifellos erheblich erleichtert. All jene, die mehr Platz brauchen oder sich mit dem schlichten Äußeren des Gehäuses nicht anfreunden können, dürfen jedoch aufatmen: notfalls lassen sich Kühlaggregat und Gehäuse mittels dem Lösen weniger Schrauben trennen - so steht also auch einem potentiellen Traumpaar von High-End Kühlung und Designgehäuse nichts im Wege.

Im unteren Raum finden nicht nur der mächtige Kompressor, sondern auch die interne, vom Netzteil des PCs selbst unabhängige Stromversorgung, der Kondensator-Radiator sowie die Steuerungselektronik Platz. Gekühlt wird das Aggregat von 2 120mm Sunon Lüftern, die nach der Startphase gedrosselt werden und ihren Dienst schließlich durchaus leise verrichten - jedenfalls bedeutend leiser als Power-Kühlungen anderer Machart. Chip-Con selbst spezifiziert die Geräuschentwicklung in der Startphase mit 42, im laufenden Betrieb bei gedrosselten Lüftern mit 36 dB(A). Die Temperaturanzeige an der Gehäusefront, die wohlgemerkt nicht die CPU-Temperatur sondern jene des Evaporators anzeigt, dient gleichzeitig zur Steuerung: insgesamt 4 Werte zur Kontrolle der Lüfter und der Aufwärmphase dürfen angepaßt werden.

Erwartungsgemäß hoch ist das Gewicht des Gerätes: stolze 27kg bringt die Prometeia ohne Netzteil oder Inhalt auf die Wage und ist somit wohl leider nur bedingt LAN-tauglich. Beim Entpacken gilt es die grüne Stahlschiene am Boden zu beachten, die ausschließlich zur sicheren Befestigung des Kompressors beim Transport dient und selbstverständlich abgenommen werden sollte. Durch eine Öffnung zwischen Kühlaggregat und Gehäuse führt der Schlauch, an dessen Ende der "Microfreezer", der eigentliche Evaporator und Kühlkopf angebracht ist. Zu bemerken ist hierbei, daß die Prometeia den Vorzug eines äußerst offenen Konzeptes genießt: erhältlich sind momentan Montagekits für Sockel-A/370/7 und Sockel-478 CPUs - die grundsätzliche Kompatibilität zu zukünftigen Prozessoren ist also gegeben. Vorausgesetzt, Chip-Con bietet beispielsweise für den Hammer separate Montagekits an, muß nicht die gesamte teure Anlage getauscht werden. Verbesserungswürdig schien jedoch die Verarbeitung des Microfreezers: der auf der DIE beziehunsweise auf dem Heat-Spreader aufsitzende Kupferkopf war verglichen mit der Oberfläche moderner Luftkühler relativ rauh und etwas matt. Hier würde unter Umständen bereits eine ab Werk angebrachte Schutzfolie Abhilfe schaffen.

Montage

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Montageplan
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Anschlußkabel
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Isoliermasse
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Der Microfreezer
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Isolieren der Halterung...
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...des Sockels...
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...der Zelle...
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...und fertig!

Montage

Die Montage der Prometeia ist denkbar einfach und, entsprechende Sorgfalt vorausgesetzt, für die geliebte Hardware weitestgehend ungefährlich. Zunächst wird bei ausgebautem Motherboard eine Platte an der Rückseite des Sockels befestigt und mittels des mitgelieferten Dichtungsmaterials, das in der Konsistenz wie eine Mischung aus Kaugummi und Plastelin anmutet, abgedichtet. Diese Platte wird anschließend durch die 4 Löcher rund um den Sockel mit dem oberen Dichtungsring und der damit verbundenen Halterung verschraubt. Wichtig ist dabei, daß sämtliche elektronische Bauteile innerhalb dieser hermetischen Zelle ebenfalls mit der schwarzen Paste isoliert werden, um sie vor beim Ausschalten des Systemes entstehendem Tauwasser oder Ähnlichem zu schützen. Leider war in unserem Falle die Öffnung der Halterung ("Clips" in der Abbildung) nicht exakt mit dem Heatspreader des Pentium 4 in Deckung zu bringen - einige Quadratmillimeter an für den Wärmeübergang freilich maßgeblicher Ober- beziehungsweise Kontaktfläche mußten also hergeschenkt werden. Da sich diese allerdings am Rand und somit nicht über der DIE selbst befinden, dürfte der Verlust nicht allzu schwerwiegend sein.

Chip-Con wies uns diesbezüglich weiters darauf hin, daß die Fertigungstoleranzen beabsichtigt sind, um möglichst umfassende Motherboardkompatibilität zu gewährleisten.

Nachdem auch der obere Dichtungsring isoliert wurde wird der Microfreezer über 2 gefederte Schrauben an der Halterung angebracht - der Anpreßdruck kann dabei durch den Einsatz zusätzlicher Beilagscheiben angepaßt werden - gerade AMD Besitzer sollten dabei jedoch etwas vorsichtiger agieren. Das Montagekonzept ist ohne Frage eine der größten Stärken des Produktes: sowohl das Material des Microfreezers und der hinteren Deckplatte als auch jenes der Isoliermasse machen den Prozessorraum zu einer tatsächlich hermetischen Zelle und fühlen sich im Betrieb - während im inneren Temperaturen weit unter Null herrschen - kaum kalt an, vor etwaigen Kondensationsprobelmen ist das Prometeia System also gefeit.


Der Test

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Modded to the Core!
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Alles installiert.
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Pure Delta 0wnage!
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Evaporator Temperatur
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got w00t?! :eek:


Das Testsystem
Prozessor:
Intel Pentium 4 1,6A (Northwood)
Kühlung:
Chip-Con Prometeia
Motherboard:
Abit TH7-II (Custom DCRGs, VCore Mod, VRimm Mod
Speicher:
2x 256MB Samsung PC800, 2x 256MB Kingston PC1066
Festplatte:
Fujitsu 40GB
Graphikkarte:
Asus GeForce 4 Ti-4600
Netzteil:
Enermax 350W


Erste Eindrücke

Nachdem Anschluß aller Kabel, der wie alle anderen Funktionen und Vorgänge übrigens im Handbuch hervorragend dokumentiert ist, und dem Starten des Systems schickt die Schaltelektronik der Prometeia so lange ein Reset-Signal an das Mainboard, bis der Kompressor genug Druck aufgebaut und der Evaporator eine voreingestellte Mindesttemperatur erreicht hat. Die Werkseinstellung beträgt dabei -33°C, wir verschoben die Einstellung testweise auf -40°C. Beachtenswert ist der zweite Temperaturwert, ab Werk sind das -28°C, bei dem das System auch im laufenden Betrieb wieder mit Reset-Signalen ausgesetzt wird. Im Laufe unserer Tests trat dieser Fall jedoch nie ein; als wir die Reset-Temperatur auf -30°C anhoben allerdings schon - hier ist also Vorsicht geboten! Anhand obiger Erläuterung ist klar, daß der Startvorgang der Prometeia, besonders wenn das System eine Weile nicht in Betrieb war, einige Zeit in Anspruch nimmt - je nach Situation bis zu einigen Minuten. Dabei klettert zunächst die Temperatur, bevor sie schließlich mit dem Fall beginnt. Bei einem Reboot des Systems treten freilich kaum Wartezeiten auf, da der Druck im Kompressor und somit die Temperatur erhalten bleibt.


Im Betrieb

Bei einer auf 1,7V erhöhten VCore Spannung und etwa 2,6GHz lag die Temperatur unseres P4 1,6A nach dem POST im BIOS bei konstanten -15°C, unter Vollast kletterte die Temperatur auf etwa -2° C. Wir waren - offengestanden - zunächst etwas überrascht, dass die Load-Temperaturen schon nahe am Gefrierpunkt lagen. Die mehrmalige Remontage des Microfreezers, Erhöhung des Anpressdrucks sowie die Verwendung von Arctic Silver 3 anstatt der mitgelieferten Arctic Aluminia brachte eine Verbesserung von jeweils rund 2°C.



An der Grenze...

Dank CPU und RIMM Voltage Mod und Custom DCRGs hatten wir mit unserem Abit TH7-II und P4 1,6A eine Plattform, die sich bestens eignete, um der Prometeia alles abzuverlangen: mit nicht ganz stabilen 3207MHz - für einen WCPUID Shot reichte es jedoch - erzielten wir einen satten 100%igen Overclock. Der Prozessor wurde dabei mit nicht weniger als 2,2V betrieben, was eine ungefähr geschätze Wärmeabgabe von rund 130 Watt ergibt. Nichtsdestotrotz waren die Temperaturen im Idle Betrieb dabei noch knapp im Minusbereich (etwa -2°C), bei Prime95 und SuperPI Last kletterte sie jedoch auf rund +7 bis +11°C. Damit gelang es der Prometeia zwar nicht, den Prozessor unter dem Gefrierpunkt zu halten, angesichts der Tatsache, daß dieser mehr Wärme als ein handelsüblicher Lötkoblen abgab, sind die Ergebnisse jedoch sehr beeindruckend.


Demontage

Die Demontage des Microfreezers ist an sich simpel: zunächst werden beide Schrauben gelöst, dann der Kühlkopf abgezogen. Zu bemerken ist allerdings, daß dieser Vorgang einen erheblichen Kraftaufwand erfordert, was gerade bei fragilen AMD Prozessoren nicht gerade ideal ist - glücklicherweise legt Chip-Con dem Montage-Kit einen speziellen Kupferspacer bei, der das Risiko möglichst gering hält. Hier empfiehlt es sich jedenfalls, das System erst vollkommen "auftauen" zu lassen. Sehr zu unserer Überraschung löste sich bei dem Abnehmen auch eine Plastikplatte von der Unterseite des Kühlkopfes - wir legten sie für die weiteren Tests einfach wieder an ihren Platz und hatten keinerlei weitere Probleme damit.


Fazit



Fazit

Die Prometeia glänzte in unserem Test nicht nur durch hervorragende Leistungswerte, sondern auch durch die Tatsache, daß sie absolute High-End Kühlung ohne größere Risken oder Aufwand ermöglicht. Overclocking Regionen, die bislang kurzfristigen Rekordversuchen vorenthalten blieben, können auf diese Weise für den stabilen 24-Stunden Betrieb zugänglich gemacht werden. Die bei manch anderem - auch Eigenbau-Systemen - berechtigten Sorgen wegen Kondens- oder Tauwasser bei Minusgraden muß man sich dank des durchdachten Konzeptes mit dem hermetisch abgeschotteten Bereich um die CPU nicht machen.

Raum für Verbesserungen besteht nichtsdestrotz: das PC-Gehäuse der Prometeia ist zweifellos nicht Jedermanns Sache und obwohl es einfach demontierbar ist, wäre für viele Interessenten ohne Frage der separate Erwerb des Kühlaggregates deutlich attraktiver. Des weiteren wäre wie gesagt eine etwas bessere Verarbeitung des Microfreezers wünschenswert - sowohl was die Oberfläche des Kupferkopfes als auch die Plastikplatte anbelangt. Obgleich es sich hier freilich keineswegs um schwerwiegende Mängel handelt und sich beide Probleme mit wenigen Handgriffen beheben lassen sollte dies bei einem Produkt dieser Preisklasse nicht mehr nötig sein.

Zuguterletzt würde freilich eine nochmalige Leistungssteigerung das Herz eines jeden Hardcore-Overclockers höher schlagen lassen. Freilich sind wir uns jedoch bewußt, daß es nahzu unrealistisch scheint, von der Fläche einer DIE oder eines IHS mehr als 130W mit "herkömmlichen" Mitteln dauerhaft besser abführen zu können, da hier dem Wärmeübergang eine fast alles entscheidende Bedeutung zukommt.

Alles in Allem können wir der Prometeia jedenfalls eine beinahe uneingeschränkte Empfehlung aussprechen - wer das nötige Kleingeld hat, eine Bestellung direkt bei Chip-Con kostet momentan knapp 500€, und auf der Suche nach einer flexiblen High-End Kühlung ist, darf bedenkenlos zuschlagen. Abschließend soll jedoch bemerkt sein, daß möglicherweise mit einem baldigen Direktvertrieb in Österreich gerechnet werden darf.

Abschließend bedanken wir uns herzlichst bei Chip-Con für die Bereitstellung des Testgerätes und für den ausgezeichneten, raschen Support sowie bei KK-Computer für die Testellung der Kingston PC1066 RIMMs.
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